Full text: Volume (Bd. 51 = 2.F. 15 (1907))

Zur Lehre vom Klagrecht.

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zwei für die Existenz des Anspruchs geltenden Erfordernisse,
daß dem Kläger das bestimmte Recht zukommt und daß er es
dem Beklagten gegenüber nicht ohne verbotene Eigenmackt
durch eigene Tat realisieren kann. Nicht deshalb geht, wie
Wendt wieder annimmt (S. 409), die Eigentumsklage gegen
den Besitzer, weil er das Eigentum verletzt hat, was keines-
wegs notwendig der Fall ist, sondern deshalb ist der Eigen-
tümer darauf angewiesen, ihm die Sache abzufordern, weil er
trotz feines Eigentums sie ihm nicht wegnehmen darf. Das
Recht, kraft dessen er sie ihm abfordert, ist nicht, wie das Recht,
kraft dessen er Ersatz für die Beschädigung oder Zerstörung
seiner Sache fordert, ein auf das Eigentum gegründetes Forde-
rungsrecht, sondern jenes selbst22). Für sich begründet es gegen
niemand einen Anspruch; aber sein Zusammentreffen mit dem
Besitze des Beklagten begründet den Anspruch auf dessen Ab-
tretung. Durch dessen Abforderung wird der Herrschaft des
Besitzers über die Sache gegenüber geltend gemacht die Herr-
schaft des Klägers als eine solche, die jener vorgeht. Be-
hauptet der Beklagte, trotz des Eigentums des Klägers zum Be-
sitze berechtigt zu sein, so macht dieser dadurch, daß er die
Klage festhält, neben seinem Eigentum die Abwesenheit jenes
Rechts geltend.
Entschiede das Urteil ausschließlich über den durch das gegen-
wärtige Zusammentreffen des Eigentums mit dem Besitze des
Beklagten gegebenen Restitutionsanspruch, so könnte sich auf
22) Wie ich (ArchCivPrax. 93, 23) betont habe, daß das Recht aus
den Besitz der Hauptinhalt des Eigentums ist, so auch Brinz, Pand. *
l, 472 ff. Ihn und damit die ganze Existenz des Eigentums macht der
Eigentümer geltend, wenn er kraft desselben die Abtretung des Besitzes
fordert. Der Anspruch auf sie tritt nicht, wie Hellwig (Anspruch und
Klagrecht S. 3 t) sagt, „neben das seinem positiven Inhalte nach ganz
andersartige dingliche Recht".

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