Full text: Volume (Bd. 51 = 2.F. 15 (1907))

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Raape,

Vaterschaft. So erklärt sich auch die Wendung: als Em-
pfängniszeit „gilt" ... Sie kommt, wie ich hervorhebe, nicht
nur in § 1717 vor, sondern auch in § 1592. Ein solches
Gefühl des Gegensatzes zwischen Natur und Recht konnte bei
Regelung der Ehelichkeitsfrage nicht aufkommen, denn
diese ist eine rein juristische. Daher sagt § 1591 mit Recht:
Ein Kind ist ehelich . . Dazu kam noch ein besonderer Grund.
Der Gesetzgeber bejahte die zweifelhafte Frage, ob die zwar
nach dem Eheschluß geborenen, aber vorher erzeugten Kinder
ehelich sein sollten. Und zwar sollten sie ehelich sein, nicht
nur dafür gelten.
Aus allem dem ergibt sich, daß ein sachlicher Unter-
schied aus der Verschiedenheit der Fassung nicht hergeleitet
werden kann: § 1591 und § 1717 zählen beide die Voraus-
setzungen der Abstammung von einem Manne erschöpfend auf.
II. § 1720.
Was die Legitimation durch nachfolgende Ehe betrifft, so
lehrt Kuttner auch hier wieder: Legitimiert wird sowohl das
wirkliche Kind als auch das im Sinne des § 1720 fingierte.
Das Gesetz kennt auch hier zwei Vaterschaftsbegriffe, den
natürlichen und — zum Zweck der Beweiserleichterung — einen
künstlichen. Sie werden hier besonders deutlich gemacht, jener
durch § 1719, dieser durch 1720. Die praktische Folge ist,
daß der Richter bei Prüfung der Legitimation an die gesetzliche
Empsängniszeit nicht gebunden ist, weder nach unten noch nach
oben (S. 464, 461).
Aus diesem Bericht erkennt der Leser bereits, daß Kuttner
hier gleichfalls mit seiner Auffassung des § 1591 in Wider-
spruch gerät. Seine ganzen Ausführungen gipfeln in dem
Satz: Der in § 1720 als Vater Fingierte sei nur ein mög-
licher Vater, wievielmehr gebühre die Legitimation dem

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