Full text: Volume (Bd. 3 (1869))

24. Literatur

24.1. Hugo Meyer, Dr. und ord. Prof. der Rechte zu Halle: das Strafverfahren gegen Abwesende, geschichtlich dargestellt und vom Standpunkt des heutigen Rechts geprüft. Berlin 1869. gr. VIII. S. 395

Literatur

20.
Hugo Meyer, Br, und ord. Prof, der Rechte zu Halle: das Straf-
verfahren gegen Abwesende, geschichtlich dargestellt und
vom Standpunkt des heutigen Rechts geprüft. Berlin 1869.
gr. 8. VIII. u. 355 S.
In der vorliegenden Schrift hat der bereits durch seine, im Jahre 1860
veröffentlichte Monographie: „That- und Rechtsfrage im Geschworenengerickt,
insbesondere in der Fragestellung an die Geschworenen" rühmlichst bekannte
Verfasser eine besonders werthvolle Vorarbeit zu einer gemeinsamen deutschen
Strafprozeß-Ordnung geliefert.
In eingehender und scharfsinniger Weise hat derselbe die Frage erörtert,
ob und inwieweit ein sog. Kontumazial-Verfahren im Strafprozesse zu ge-
statten sei. Die Prüfung dieser Frage ist in zwiefacher Weise geschehen.
Sie ist einentheils mit Rücksicht auf die allgemeinen Grundsätze des Straf-
prozesses erfolgt und anderentheils in der Art bewirkt worden, daß unter
Benutzung eines überaus reichen Quellenmaterials der Verfasser die geschicht-
liche Entwicklung des Kontumazial-Verfahrens im Strafprozesse seit den
ältesten Zeiten des römischen Rechtes dargestellt und bei dieser Darstellung
die jezeitigen Einrichtungen kritisch beleuchtet hat.
Sowohl bei der dogmatischen, wie bei der historischen Methode gelangt
der Verfasser zu dem Schluffe, daß gerade mit Ausbildung des Anklagever-
fahrens (im Gegensätze zum Jnquisitionsprozeß) der Satz des römischen
Rechts: „ne ad86o8 ckamnetnr" zur Geltung kommen müsse. Alle diejenigen
Wege, welche die neueren Gesetzgebungen hinsichtlich des Strafverfahrens gegen
Abwesende eingeschlagen, verletzten mehr oder weniger die Natur der Sache,
mit Ausnahme des einen, bis jetzt nur selten eingeschtagenen Weges, nach
welchem eine Aburtheilung in Abwesenheit des Angeklagten in allen erheb-
licheren Fällen unterbleibe. Zwar frage es sich, ob nicht die Nothwendig-
keit einer Gestellung des Angeklagten eine zu große Weitläufigkeit und Um-
ständlichkeit des Verfahrens herbeiführe. Jedoch sei hierauf zu erwidern, daß
für „die durch die Strafjustiz zu erreichende Repression" es erforderlich sei,
daß der Angeklagte sich in jedem erheblicheren Straffalle vor Gericht
stelle und dem gegenüber könne der verantaßte Mehraufwand an Zeit und
Kosten, so wie die für den Angeklagten selbst dadurch herbeigeführte Unbe-
quemlichkeit nicht in Betracht kommen. Nur in geringeren Fällen, in
denen die Möglichkeit einer irrigen oder nicht ganz korrekten Entschei-
dung offenbar nicht so schwer wiege und bei denen darum auch in der kontra-

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