Full text: Volume (Bd. 3 (1869))

LewiS: Zur Lehre von der Autonomie des hohen Adels. 697
an, in denen der Gesetzescharakter der gedachten Disposition deutlich
ausgedrückt sein füll.46)
Gerber hat auf die Ausführungen von Maurer, Zöpfl und
Jolly geantwortet.4^) Aus seinen gegen Maurer vorgebrachten Aus-
lassungen berührt jedoch den eigentlichen Streitpunkt blos die Bemerkung,
daß er seine Ansicht nur durch den Nachweis für widerlegt halten könne,
„daß die Hausgesetze auch jetzt noch Bestimmungen enthielten und ent-
halten müßten, welche unter keinen Umständen auf das bestehende ob-
jektive Recht zurückgeführt werden könnten"; denn dem Privatrecht des
17. und 18. Jahrhunderts gegenüber fasse er das Nerhältniß der Be-
gründung eines Familienfideikommisses, eines Stammguts, Majorats
und anderer derartiger Dispositionen nicht anders, als Maurer auf.4S)
Gegen Zöpfl bemerkt Gerber zunächst, daß aus der Zulässigkeit
einer bloßen Wahl unter den vorhandenen besonderen Rechtsgrundlätzen,
als Normen für die beabsichtigten Rechtsgeschäfte noch kein Schluß auf
die Existenz der Autonomie, als Gründung eines Sonderrechts durch
eigene Willkür gezogen werden könne. Sodann stellt er in Abrede, daß
die B.-A. die Autonomie den mediatisirten Häusern in weiterem Um-
fang, als zur Zeit des Reichs gewähre, denn der von Zöpfl hierfür
beigebrachte Grund, daß die Hausgesetze keiner Bestätigung durch den
Souverain bedürften, sondern nur demselben vorgelegt werden müßten,
sei nicht zutreffend, da beides im Grunde genommen auf dasselbe her-
auskomme, indem der Souverain stets die Mittel haben werde, auf
Beseitigung der von ihm wirklich gefundenen Anstände vor der offiziellen
Bekanntmachung hinzuwirken. 49) Auch abgesehen hiervon ist er nicht
der Ansicht, „daß in der Zulassung solcher Dispositionen ohne vorher-
gehende Bestätigung den Grundsätzen des Privatrechts die Befugniß zur
Stellung der Frage entzogen sei, ob jene von ihrem Standpunkt aus
für korrekt und rechtsbeständig gelten können." 50) Ferner bestreitet
Gerber, daß aus der Einräumung des gleichen Standesrechts und der
Ebenbürtigkeit mit den souverainen Fürsten folge, daß den Standes-
herren auch das gleiche Recht der Autonomie gebühre, indem er darauf
aufmerksam macht, daß immer noch der große Unterschied bestehe, daß
die souverainen Fürsten Staatsoberhäupter, die Standesherren aber
Unterthanen seien. „Die politische Stellung einer Regentenfamilie"
biete „Momente zur Rechtfertigung privatrechtlicher Anomalien, wie sie
die Stellung eines Standesherrn, wenn man sie auch noch so sehr
würdige, niemals bieten" könne. Er stellt daher die von Zöpfl be-
hauptete Möglichkeit, daß ein hochadeliges Haus das Notherbenrccht,
wie das allodiale Intestaterbrecht der Töchter durch Rechtssatz aus-
schließen dürfe, in Abrede.
Bei der beabsichtigten Widerlegung von Jol ly wendet sich Gerber

46) A. a. O. S. 14- 20,
47) In den dogmatischen Jahrbüchern Bd. 3 S. 411 ff.
**) A. o. O. S. 419.
49) A. a. O. S. 425.
5#> A. a. O. S. 425 f.
51) A. a. O. S. 426 f.

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