Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 3 (1869))

12.7. Die kaufrechtliche Tradition von Dr. Adolph Nissen, außerordentlichem Professor an der Universität Leipzig. Leipzig. J. M. Gebhardt's Verlag. 47 SS

Literatur.

SSI

die Auslegung unter Umstanden von Wichtigkeit sein kann.. Vielleicht läßt
sich dies in einer Nachtragstabelle am Schluß der Ausgabe bewerkstelligen.
Endlich ist den griechischen Stellen der Digesten eine neue lateinische Ueber-
setzung beigefügt statt der bisher verbreiteten aus dem 12. Jahrhundert stam-
menden größtentheils barbarischen Version.
Die Ausgabe verdient allgemeine Verbreitung zu finden und die bis-
herigen Handausgaben des Corpus juris zu verdrängen. Möge sie, damit
ihr dies gelinge, zu gedeihlichem Abschluß fortgeführt werden.
Behrend.

9.
Die Kaufrechtliche Tradition von vr. Ädolph Rissen, außerordentlichem
Professor an der Universität Leipzig. Leipzig. I. M. Gebhardt's
Verlag. 47 SS. in 8.
Häufig tradirt der Verkäufer die Waare, ohne vorher Zahlung empfangen
Noch Kredit gegeben zu haben; er tradirt aber in Erwartung der baldigen
Zahlung. Feststeht, daß dann nach Gemeinem Recht kein Eigenthum auf
den Käufer übergeht; die allgemeine Ansicht geht ferner dahin, daß dann der
Käufer den fehlerfreien juristischen Besitz erwirbt.
Dieser letztere Satz ist es, welchen der Verfasser anficht; er behauptet,
daß der Käufer bis zur Zahlung resp. Kreditirung nur picaria possessio
erhalte; er stellt deshalb den Begriff der kaufrechtlichen Tradition auf, d. h.
der Tradition auf Grund der Zahlung oder Kreditirung; erst hierdurch ver-
liere die Verkäufer der Besitzesklagen gegen den Käufer.
Der Verf. gesteht (im Anfang des §. 3) zu, daß seiner Ansicht kein
Unmittelbares Zeugniß der Quellen zu Gebote steht; er versucht den Beweis
seiner Ansicht dadurch, daß er an anderen Fragen die Probe macht. Um
so mehr hätte er vorher prüfen müssen, ob denn nicht die gemeine Meinung
ein unmittelbares Quellenzeugniß für sich anführen könne. Dies ist nämlich
zu bejahen; es heißt in 1 8 D. de publ. act. 6,2:
de pretio vero soluto nihil exprimitur; unde potest conjectura capi,
quasi nec sententia praetoris ea sit, ut requiratur, an solutum sit
pretium.
d. h. der Käufer hat selbst vor der Zahlung die Publiciana, und (darf
Ich hinzusügen) selbst vor der Kreditirung, denn auch von dieser steht nichts
im prätorischen Edict. Nun genügt aber bekanntlich zur Publiciana kein
drecaristischer Besitz (I. 13 §. 1 D. eod.), also muß der Käufer schon vor
per Zahlung resp. Kreditirung der unwiderruflichen (nicht precaristischen)
Besitz haben.
Diese Argumentation liegt so nahe und beruht auf so bekannten Rechts-
grundsätzen, daß mir selbst dann noch Bedenken gegen die Ansicht des Ver-
fassers übrig blieben, wenn ihm sein indirekter Beweis gelungen wäre. Aber
es ist das durchaus zu verneinen. Gehen wir die einzelnen vom Verf. an-
gezogenen Rechtssätze durch.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer