Full text: Volume (Bd. 3 (1869))

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Literatur.

was an ihnen willkürlicher Zusatz sei, und was mit der positiven Rechts-
entwickelung im Einklang stehe. Nur dieses letztere sei geeignet, für das
positive Strafrecht verwerthet zu werden. Seinen Standpunkt kennzeichnet
der Verfasser aus das Deutlichste, indem er die Einleitung also schließt:
„der philosophischen, wie der philosophisch-historischen Schuhe
muß der Handschuh hingeworfen werden. Möglich, daß der Kampf
durch Jahrzehnte sich hindurchzieht. Ein fauler Friede ist das größere
Hebet; wir haben ihn lange genug getragen. Die neuere Gesetz-
gebung steht mit Einem Fuße auf unserem Boden, und auch die
Praxis wird zögernd unserer Fahne folgen. Es gilt von den frischen
Blüthen des Rechtslebens den Schulstaub abstreifen, damit sie nicht
verdorren oder gar das Erdreich versande; es gilt der Ausstoßung
fremdartiger Elemente, um die ungestörte Gestaltung, Entfaltung und
Kräftigung im eigenen Gebiete wieder zu gewinnen. Wenn diese erreicht
sein wird, dann, aber auch erst dann dürfen wir die Waffen der
Polemik aus der Hand legen. Pflanzen wir es also muthig auf,
das Banner des historischen Strafrechts, der historischen Strafrechts-
schule. Es trage den Wahlspruch: suum cuique. Der Rechtsphi-
losophie das Ihre — aber dem positiven Recht das Seine! Unter
diesem Zeichen werden wir siegen."
In dem ersten Theile der Monographie selbst gibt der Verfasser zunächst
eine Erklärung des Begriffes von nothwendiger Theilnahme. Ausweislich
derselben ist sie die, rückfichtlich des Thatbestandes einer strafbaren Handlung
begriffliche Nothwendigkeit der Betheiligung mehrerer Individuen an der
That. Im Gegensätze zu ihr steht die blos factische, für den Verbrechens-
begriff zufällige oder unwesentliche Theilnahme. Beispielsweise sei es für
den Begriff des Diebstahls unwesentlich, ob neben dem Thäter noch ein
Anderer an dem Diebstahle betheiligt sei oder nicht. Dagegen erfordere der
Begriff von z. B. Ehebruch, Doppelehe, Zweikampf das Zusammenwirken
von zwei Personen, und ein solches begrifflich nothwendiges Zusammenwirken
bilde die „nothwendige Theilnahme". Welche Grundsätze auf letztere An-
wendung finden müßten, und ob namentlich die Grundsätze von der Theil-
uahme im Allgemeinen zutreffend seien, bildet den wesentlichen Gegenstand der
Abhandlung, in welcher der Verfasser bemerkt, daß die Frage über nothwen-
dige Theilnahme die heutigen Strafrechtslehrer nur in geringem Maße, die
Praxis und Gesetzgebung allem Anscheine nach überhaupt nicht beunruhige.
Der Schrift Zufolge ist die Frage über „nothwendige Theilnahme" sach-
lich zuerst von St übel in den Werken: über den Thatbestand der Ver-
brechen, Wittenberg 1805, und: über die Theilnahme mehrerer Personen,
Dresden 1828, hervorgehoben worden. Die Bezeichnung selbst finde sich erst
in Martin's Lehrbuch des Deutschen gemeinen Criminalrechts, 1820. In
eingehender Weise erörtert und prüft der Verfasser die wesentlichsten der seit-
her über nothwendige Teilnahme veröffentlichten Ansichten. Mit keiner der-
selben erklärt er sich einverstanden.
Die Lösung der Frage findet er in der Zusammenstellung folgender
Sätze, für deren historische Begründung er einen reichen Quellenapparat aus
dem Römischen und Canonischen Rechte, den Deutschen Volksrechten und
Rechtsbüchern, sowie aus den Italienischen Praktikern u. a. m. beibringt^

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