Full text: Volume (Bd. 3 (1869))

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Heidenfeld: Die Pertinenzial-Qualität der Urkunden im

liches Interesse an der Einsicht eines Staatsvertrages *) und der Kauf-
mann Interesse an dem Inhalt eines Briefes haben, der praktische Winke für
den vorteilhaften Export eines Artikels nach einem überseeischen Lande
darlegt. In dem einen Falle fehlt das vermögensrechtliche Interesse, in
dem andern liegt ein Inhalt ohne Rechtsstoff vor. Mit solchen Fällen
hat die gestellte Aufgabe nichts zu schaffen.
Auf das Gebiet der hiernach übrig bleibenden Fälle bezieht sich die
Regel Ulpians:
aequum id quod mei causa confecit, meum quodommodo instru-
mentum michi edi, 1. 4 §. 1 D. 2, 13.
Sie paßt ebenso für die Rechnungsbücher der argentarii und nummu-
larii (1. 4 pr., 1. 9 §§. 2, 3 Dig. 2, 13), wie für die rationes do-
mesticae (1. 1, 1. 5 bis 8 Cod. 2, 1) und weil düs mei causa confec-
tum für jeden Betheiligten gilt, auch auf die instrumenta communia
(1. 7 Cod. 2, 1), bei welchen nicht an ein Miteigenthum zu denken ist,
da derselbe Ausdruck auch von den acta publica (1. 2 Cod. 1, 21) ge-
braucht wird 6).
Sie steht ferner mit der von „instrumenta tui iuris“ oder „ad
ius tuum pertinentia“ gegebenen Vorschrift, daß ihre Vorlegung ge-
fordert werden kann (1. 4 und 6 Cod. 3, 42), im Einklang, sie liegt
zu Grunde dem Rechte des Freigelassenen, die Vorlegung der Entlassungs-
Urkunde zu fordern (1. 26 Cod. 7, 16), der Kautionspflicht des mit den
rationes des Erblassers als Prälegat bedachten Erben dafür, daß er sie
erforderlichenfalls den Miterben vorlegen werde (1. 8 D. 10, 2)5 6 7),
und der Kautionspflicht des Fiduziarsdem mit einem praedium be-
dachten Fideikommissar die Urkunden vorzulegen, „quae ad probationem
originis eorum (sc. praediorum) pertinent“ (1. 24 Cod. 6, 42), dem
Rechte des Käufers, die Edition der instrumenta tundi zu fordern, um
sich über den Umfang von dessen Gerechtsame zu orientiren (1. 48
D. 19, l)8), endlich dem Rechte des Gläubigers, auch nach erfolgter
Bezahlung der Schuld und nach geschehener Einlösung des Pfands den
Schuldschein, sowie alle auf das Rechtsgeschäft bezüglichen Urkunden vom
Schuldner und von jedem Dritten eoirt zu verlangen (1. 18 D. 10, 4).
Aber so reichhaltig auch die Anwendung der Regel in den Rechts-
quellen erscheint, so ist sie doch ^durchaus unbestimmt. Sie bringt einen
klaren Rechtsgrund nicht zum Ausdruck, obwohl ihr ein berechtigter Ge-
danke zu Grunde liegt, wie gezeigt werden wird. Ueber diesen Versuch
der Aufstellung eines Rechtsgrundsatzes ist das römische Recht nicht hin-

5) Vgl. 1. 19 Dig. 10, 4: nam illa ratione etiam studiosum alicuius doc-
trinae posse dicere, sua interesse, illos aut illos libros sibi exhiberi, quia, si es-
sent exhibiti, quum eos legisset doctior et melior futurus esset.
6) Die entgegenstehende Ansicht von Mittermaier (über die Gründe zur Ver-
pflichtung der Edition von Urkunden) S. 25 sq. ist irrig.
7) Denn ad nos pertinet — cum ipsi contraximus vel successimus ei
qui contraxit, 1. 9 §. 4 D. 2, 13.
8) Daß hier die actio emti gegeben ist, ändert nichts in der Sache; denn der
Grund dafür »hoc enim contractui bonae fidei consonans esse« weist gerade
wegen seiner Allgemeinheit auf einen allgemeinen Rechtsgrund hin.

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