Full text: Volume (Bd. 3 (1869))

186 Endemann: Ueber die Entwickelung des Wechsels und des Wechselrechls.
seine natürliche Linie zurückzuschrauben, vor Allem den ungesunden
blanken Personalkredit, für den Nichts eingesetzt werden kann, als das
letzte Mittel des persönlichen Zwanges, womöglich abzurasiren und auf
diesem indirekten Wege der allgemeinen Wechselfähigkeit doch wieder einen
Zützel anzulegen; lauter Ziele, an deren Erreichung vorläufig einige be-
scheidene Zweifels zu hegen Niemandem verwehrt sein darf. Aber wäre
dem auch so, würde in der That der Wechsel dadurch in seiner Verkehrs-
stellung, in seinem Kreditfundament und folglich in seiner Werthschätzung
mehr oder minder empfindlich berührt, für den Charakter des Instituts,
so weit es auch ohne Schuldhast im Hintergründe fortbesteht, bleibt die
Beschränkung der paraten Exekution auf das reale Vermögen im Uebrigen
völlig gleichgültig.
Mit oder ohne Personalarrest bleibt der Wechsel das nämliche
Werthpapier. Mit oder ohne dieses letzte Mittel des Gläubigers, um
den Ungehorsam des Schuldners gegen die gerichtliche Anerkennung seiner
Zahlungsverbindlichkeit zu brechen, bleibt dem Wechsel stets die rasche
und strenge Beitreibung aus dem greifbaren Vermögen.
Prägt sich solchergestalt in der gerichtlichen Handhabung des
Wechsels durchweg dessen formell verpflichtende Kraft aus und ergibt
sich, daß eben jene strikte Gestalt der Gerichtspraxis und Gerichtshülfe
genau durch das Kreditbedürfnih des Wechsels vorgezeichnet ist, so er-
kennt man leicht, dast die gleiche Methode einer streng formellen Be-
handlung sich nicht minder auf die außergerichtliche Geltendmachung er-
strecken muß. Ein unabänderlicher, im strengsten Sinne auszulegender
Formalismus begleitet den Wechsel von seiner Geburt bis zu seinem
Tode, auch wenn er niemals vor Gericht im Prozesse auftritt. In
dieser Strenge und Einheit der Form für alle die Akte, welche mit dem
Wechsel vorzunehmen sind, liegt die größte Zuverlässigkeit. Jeder weiß,
daß er, um recht zu verfahren, gerade der einen spezifischen, von dem
Gesetz anbefohlenen Form sich zu bedienen hat. Weit entfernt, einen
ungehörigen Zwang gegen den Willen auszuüben, wird die Formen-
strenge, wie sie der Wechselverkehr fordert, zur Wohlthat, indem sie dem
freien Willen, wenn er da ist, das Mittel darbietet, sein Ziel am sichersten
gerade durch Ergreifung der Jedermann kenntlichen Form zu er-
reichen.
Mit richtigem Instinkt hat sich demgemäß, um nur an das Wesent-
lichste zu erinnern, das Verfahren der Präsentation zum Akzept oder zur
Zahlung, sowie der Protestation entwickelt. Es bedarf in dieser Hin-
sicht keiner weiteren Ausführung, wie sehr davon die Brauchbarkeit des
Wechsels, zumal nachdem der Umkreis seiner Cirkulation durch das Giro
sich so werthin ausgedehnt hatte, abhängig erscheint. Man muß wissen
und konstatiren können, wie man mit dem Wechsel daran ist, und das
geschieht dadurch, daß eine strikte Formerfüllung zur Voraussetzung des
wechselmäßigen Rechts gemacht wird; eine Formerfüllung, die Demjenigen
zur Pflicht gemacht werden kann, welcher dies volle Recht rmt dem
Wechsel zur Geltung bringen will.
Aber nicht bloß Alles, was die Prozedur innerhalb und außerhalb
des Gerichts anlangt, auch das materielle Wesen des Wechsels, der Cha-

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