Full text: Volume (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Die Adoption deS unehelichen Kindes rc.

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4) Im Geltungsbereiche des Französischen Rechts
gehört die Frage, ob das uneheliche Kind von seinem Vater
adoptiert werden könne, zu den am häufigsten bestrittenen.
Nur so viel wird allseitig zugegeben, daß das natürliche
Kind, solange es vom Vater nicht förmlich anerkannt ist
(legaleweot reevnnu), selbstverständlich von ihm adoptiert
werden könne, da ohne Anerkennung des Kindes die natür-
liche Vaterschaft nach Französischem Recht überhaupt keinerlei
Rechtsfolgen äußert61).
Dagegen sind die Meinungen über die Zulässigkeit der
Adoption eines vom Vater anerkannten unehelichen Kindes seit
langer Zeit geteilt.
Die Frage ist insofern von größter Tragweite, als das an-
erkannte uneheliche Kind im Gegensatz zum Adoptivkinde (art.
350, 745 C. c.) nur ein sehr beschränktes Intestaterbrecht gegen
den Vater hat (uet. 756—758 C. c.), und im übrigen für
unfähig erklärt wird, durch Schenkung unter Lebenden oder
durch Testament eine größere Zuwendung zu erhalten, als seine
Intestaterbportion beträgt (6. e. aet. 908, 338).
Der 6oäe civil, der die Adoption überhaupt erst in das
Französische Recht eingeführt hat, enthält kein ausdrückliches
Verbot der Adoption anerkannter unehelicher Kinder.
Ein solches Verbot enthielt allerdings ein Artikel des
zweiten Entwurfs, welcher lautete62):

Kindes eines Anderen" verstehe, und es als selbstverständlich hinstellt,
daß das uneheliche Kind nach Preußischem Landrecht von seinem Vater
nicht adoptiert werden könne.
61) Vergl. z. B. Demolomb e, VI S. 56; Baudry-Lacan-
tinerie, Precis de droit civil, Bd- 1 (1882) Nr. 784; Zachariä»
Crome, Handbuch des französ. Civilrechts, Bd. 3 (1895) S. 495 Note 8.
62) Man findet die diesbezügliche Entstehungsgeschichte des Code civil
bei Dalloz, Repertoire de ldgislation, de doctrine et de jurisprudence,
Bd. 8 (1846) unter „adoption“ no. 118; auch bei Laurent, IV no. 208.

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