Full text: Volume (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

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Kuttner,

Der folgende Versuch will auf der Grundlage des neuen
Rechts noch einmal das Für und Wider nachprüfen und mög-
lichst aus der Logik des Gesetzestextes selbst die Lösung finden.
Der angehängte rechtsgeschichtliche Ueberblick soll im wesent-
lichen über den Stand der Streitfrage in den bisherigen drei
großen Rechtsgebieten orientieren, nebenbei aber der Kontrolle
dienen, daß das für das B.G.B. gefundene Ergebnis zugleich
im Zuge der organisch sich fortbildenden Rechtsentwickelung liegt.
Denn auch das B.G.B. wurzelt in dem historisch ge-
wordenen Recht, und ein Ergebnis, zu dem man mittels logischer
Auslegung aus den Worten des Gesetzes gelangt, bietet eine
gewisse Gewähr für seine innere Richtigkeit, wenn es sich als
ein harmonisches Glied an die Kette der bisherigen Rechts-
entwickelung anfügen läßt.
§ 1. Das Wesen der Annahme an Kindes Statt.
1) Die Adoption des B.G.B. hat zu ihrem wesentlichen
Inhalte, daß zwischen dem Annehmenden und dem Angenom-
menen in familienrechtlicher Beziehung ein „Eltern- und
Kindesverhältnis"*) begründet wird.
Das B.G.B. schließt sich hiermit unmittelbar an die Rechts-
entwickelung an, die zuletzt im Gemeinen Recht und im Preußi-
schen Landrecht der Adoption ihr wesentliches Gepräge gegeben
hat, und weicht daher ebenso erheblich von dem klassischen
Römischen Recht wie von dem Recht des Code civil ab.
Das klassische Römische Recht betonte einseitig die
Begründung der national-römischen patriapotestasals das
vorherrschende Element der Adoption, pr. J. 1, 11: „Non
solum tamen naturales liberi in potestate nostra sunt,
verum etiam ii, quos adoptamus“; und 1. 1 pr. D. 1, 7:
l) Der Ausdruck findet sich in § 640 L.P.O.

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