Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Die Adoption des unehelichen KindeS rc.

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durch die Mutter an erster Stelle^) — also vor der Mutter
— zum Unterhalt des Kindes verpflichtet (§ 1709). Er kann
nicht etwa geltend machen, daß die uneheliche Mutter gemäß
Zß 1601, 1606H, 17571, 1766 nunmehr in ihrer Eigenschaft
als Adoptivmutter an erster Stelle unterhaltspflichtig geworden
sei; denn 8 1766 bestimmt deutlich genug, daß der Annehmende
dem Kinde lediglich „vor den leiblichen Verwandten
des Kindes" zur Gewährung des Unterhaltes verpflichtet wird.
Da der uneheliche Vater aber aus dem Kreise der „leiblichen
Verwandten" durch 8 1589h ausdrücklich ausgeschlossen ist, so
bleibt seine „vor der Mutter und den mütterlichen Verwandten
des Kindes" bestehende Unterhaltspflicht (8 1709) auch nach
erfolgter Kindesannahme als primäre Unterhaltspflicht be-
stehen. Der Fall liegt hier ganz genau so, wie wenn ein
Dritter das Kind adoptiert hätte.
8 13. Zweckmäßigkeitserwägungen.
1) Man hat es als ein „bedenkliches", „dem Geiste des
B.G.B. widersprechendes Ergebnis" bezeichnet *), daß der un-
ehelichen Mutter, nachdem ihr im Hinblick auf ihre präsumtiv
minderwertigen Charaktereigenschaften* 1 2) die elterliche Gewalt
verweigert worden, ihr dennoch auf einem Umwege gestattet
sein soll, sich diese Gewalt durch Rechtsgeschäft zu verschaffen.
Allein noch weit ungereimter würde das Ergebnis sein,
zu dem die Gegner gelangen müßten: daß nämlich die unehe-
liche Mutter zwar über fremde Kinder, nicht aber über ihr eigenes
Kind die elterliche Gewalt im Adoptionswege erlangen dürfe.
21) Vergl. namentlich Dronke im Centralblatt für freiwillige Ge-
richtsbarkeit, Bd. 3 S. 109, auch schon Barazetti, S. 529 Note 6;
anderer Meinung: Opet, S. 384, 385 (vergl. oben S. 36 Note 19).
1) Conrades, a. a. O.; Enneccerus-Lehmann, Bd. 2
S. 557.
2) Motive z. B.G.B., IV S. 860ff.

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