Full text: Volume (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Zeitpunkt des Zugehens bei Willenserklärungen. 397
kann bv). W kommt dann trotz des erfolgten „Zuganges" ein
Rechtsgeschäft ebenso wenig zu stande, wie in den am Eingang
dieses Abschnittes erwähnten Fällen, wo dem Adressaten ein
Brief im Widerspruch mit dem Willen seines Urhebers zugeht
Wie groß die Verspätung im Eintreffen sein muß, um einer
Erklärung ihren rechtsgeschäftlichen Charakter zu nehmen, ist
natürlich Hua68ti<r kacti. Dazu kann unter Umständen ein
Tag genügen, unter Umständen aber auch ein Jahr erforder-
lich sein.
Aus dem Willen des Absenders heraus ist endlich auch
die Frage zu beantworten, ob eine Willenserklärung als wirk-
sam anzusehen ist, die von ihrem Urheber als schriftliche
abgegeben wird, dem Gegner aber als mündliche zugeht.
Der Bote verliert unterwegs den zu bestellenden Brief, teilt
aber dessen Inhalt, den er kannte, dem Adressaten mündlich
mit. Man wird in solchen Fällen im Zweifel sich für die
U n g ü l t i g k e i t der Erklärung zu entscheiden haben. Denn man
kann nicht ohne weiteres annehmen, daß derjenige, der den Weg
der schriftlichen Willensübermittelung gewählt hat, in gleichem
Maße auch mit der mündlichen Ausrichtung seiner Botschaft
einverstanden ist. Und zwar dürfte diese im negativen Sinne
entscheidende Auslegungsregel deshalb den Vorzug verdienen,
weil ja der Erklärende bei mündlicher Bestellung Gefahr läuft,
eine unrichtige Uebermitteiung seines Willens entweder gegen
sich gelten lassen oder nach § 122 B.G.B. Schadensersatz leisten
zu müssen bi).
30) Aehnlich Planck, a. a. O. S. 234; Holder, a. a. O. S. 290.
31) Also nur wenn besondere Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß
der Absender eventuell auch die mündliche Bestellung gewollt hat, wird
man der Erklärung Wirksamkeit beilegen dürfen. Jene Annahme würde
beispielsweise zutreffen, wenn der Absender den Boten gerade für den Fall
des Briefverlustes mit dem Inhalt des Schreibens bekannt gemacht hätte.
Hingegen würde sie noch nicht, wie Hölder, a. a. O. S. 288 meint, da-

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