Full text: Volume (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Der sog. Rechtserwerb vom Nichtberechtigten.

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gewissermaßen legalisieren? Vollends stößt uns solche Rechts-
vergleichung ab bei dem Dieb oder Räuber, der Geldrollen
oder Inhaberpapiere in seinen Besitz gebracht hat. Mit einer
derartigen Stellungnahme der Rechtsordnung kann uns auch
der Gedanke nicht aussöhnen, daß die Rechtsordnung nur sage:
der Besitzer kann das. aber er soll es nicht. Ein solches Miß-
verhältnis zwischen dem Kann und dem Soll kommt im Rechte
vor. es genügt, an die fiduziarische Rechtsübertragung zu erinnern
(freilich a. M. Alfred Schultze, Treuhänder, in Iherings
Iahrb., Bd. 43 S. 32 fg.). Die Rechtsordnung wird aber zur
Schaffung eines solchen Mißverhältnisses nur vorschreiten, wenn
in den Umständen ein zwingender Grund vorliegt. Daß es
daran in dem in Frage stehenden Fall gebricht, ist früher aus-
geführt.
Ich stehe mit diesem sittlichen Bedenken nicht allein. In
seinen Institutionen des deutschen Privatrechts, Bd. 2 § 74
S. 4 sagt Heusler: Daß der Inhaber einer beweglichen
Sache, der sie als Pfand, zur Leihe, zur Verwahrung, kurz
mit der Verpflichtung der Rückgabe empfangen habe, befugt
gewesen sei, die Sache in Verletzung dieser Pflicht zu übertragen,
das sei eine Annahme, die einen Widerspruch in sich selbst
enthalte, „um nicht zu sagen ein unsittliches Prinzip". Drastisch
hebt denselben Gesichtspunkt Romeick, a. a. O. S. 10fg.
hervor. Und jeder Rechtslehrer wird die Erfahrung machen,
daß ein Anfänger mit seinem ungeschwächten natürlichen Ge-
fühl beim Vortrag einer solchen Theorie stutzig wird.
Aus diesem Grund darf auf die Machtvollkommenheit
des Veräußerers selbst der Rechtserwerb nicht zurückgeführt
werden, der durch die Gutgläubigkeit des Erwerbers nicht be-
dingt ist, wie nach Code civil wenigstens dem Wortlaute nach
(S. 350).
Eine wirkliche Befugnis, in fremdes Privatrecht einzu-

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