Full text: Volume (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Der sog. Rechtserwerb vom Nichtberechtigten.

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in der gesetzlich mit dem Besitz verbundenen objektiv bestimmten
Verfügungsgewalt."
Und in Note 13: „Der gute Glaube des Erwerbers gibt
den wahren Rechtsgrund nicht ab; denn er hilft nicht bei un-
freiwilligem Verlust der Sache." Hilft hier — so fragt man —
die Legitimationskraft des Besitzes?
Im weiteren Verlauf findet sich bei Endemann der
Satz: „Der Eigentumserwerb stützt sich auf das durch den
Besitzstand des Veräußerers bestätigte Vertrauen."
Aber sofort folgt wieder die Behauptung, daß „der äußere
Besitzstand die rechtliche Machtbefugnis schafft".
C o s a ck (Lehrbuch des deutschen bürgerlichen Rechts, Bd. 2)
sagt für den Liegenschaftserwerb, der zu Unrecht im Grundbuch
als Eigentümer Eingetragene habe „zwar kein Recht, aber doch
die Rechtsmacht zur Auflassung" (§ 196 IV 1). Ganz ent-
sprechend wird dem Besitzer einer beweglichen Sache, deren
Eigentümer er nicht ist, unter den vom Gesetz bestimmten
Voraussetzungen die „Rechtsmacht" zugesprochen, die in seinem
Besitz befindliche Sache einem Dritten zu überbringen (§ 198IV).
Crome, System des deutschen bürgerlichen Rechts, Bd. 1
§71 Ziff. 4 lit. b: „Nichtsdestoweniger kann man heutzutage
kraft gesetzlicher Vorschrift in vielen Fällen Rechte von einem
Nichtberechtigten herleiten ... in den betreffenden Fällen (ist)
durchgängig dem Uebertragenden kraft Gesetzes eine Verfügungs-
macht über die Rechte eines Dritten beigelegt, wie wenn der
Verfügende selbst der Berechtigte wäre. Er hat die Befugnis,
das fremde Recht zu übertragen, so daß letzteres durch den
Akt von seinem bisherigen Subjekt auf den Erwerber übergeht.
Es findet also Suecession statt, nur nicht vermittelt durch den
bisherigen Berechtigten selbst, sondern durch jemand, welcher
zur Uebertragung des Rechts legitimiert ist."
Sehr schneidig vertritt die Legitimationstheorie Hellwig

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