Full text: Volume (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

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Otto Hagen,

der sich im Laufe der Versicherung geändert hat, zu denen ge-
hört, deren unveränderte Fortdauer der Versicherer bei der
Schließung des Vertrages voraussetzen durste, ist nach der
Lage des einzelnen Falles zu entscheiden. Dieselbe Gefahr-
erhöhung kann für die eine Versicherung von Einfluß sein, für
die andere nicht. So wird der Versicherer, wenn das gegen
Brandschaden versicherte Gebäude in dem Villengebiet eines
Ortes liegt, voraussetzen dürfen, daß nicht in den Nachbar-
häusern ein feuergefährlicher Fabrikbetrieb eingerichtet wird,
während er, wenn das Gebäude sich in dem Fabrikbezirke des
Ortes besindet, mit einer solchen Möglichkeit allerdings zu
rechnen hat. Auch hier ist übrigens der Unterschied zwischen
Aenderungen, die durch den Versicherten selbst veranlaßt werden,
und solchen, die unabhängig von seinem Willen eintreten, von
Erheblichkeit. Gegenüber Aenderungen der ersteren Art ist die
Stellung des Versicherers von selbst dadurch bezeichnet, daß
der Versicherte in allen Vertragsbeziehungen sein persönliches
Verhalten so einzurichten hat, wie Treu und Glauben es er-
fordern. Der Versicherer wird also in der Regel zu der Er-
wartung berechtigt sein, daß von dem Eigentümer, der sein
Haus versichert hat, in diesem Hause ein feuergefährlicher Be-
trieb nicht zugelassen werden wird, dagegen muß er hinsichtlich
der Nachbarhäuser eine Steigerung der Feuergefährlichkeit als
mehr oder minder naheliegend betrachten. Die Grenzen,
innerhalb deren eine Gefahrerhöhung auf die Haftung des
Versicherers und auf den Bestand des Vertrags von Einfluß
ist, kann das Gesetz nicht genauer bestimmen."
Hiernach knüpft § 25 ersichtlich an an die namentlich von
Ehrenberg und Roelli bisher vertretene, von den Feuer-
Versicherungsgesellschaften etwas wegwerfend „als geistreich er-
scheinend" abgefertigte Lehre, wonach nur „vertragsmäßige"
Gefahrumstände in Betracht kommen, d. h. solche, die die

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