Full text: Volume (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

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Hugo Oppenheimer,

XI.
Die Tatsache, daß die Begriffe „Wirtschaft" und
„wirtschaftlich" fälschlicherweise vielfach zum Ausgangs-
punkt der Interpretation unserer §§ 21, 22 B.G.B. gemacht
werden ^), nötigt zur Erhebung der Frage, ob uns die Ver-
wertung der in der nationalökonomischen Wissenschaft — und
wohl auch im Sprachgebrauch des Lebens — geltenden Be-
deutung dieser eben nationalökonomischen Begriffe Nutzen für
die Auslegung der §§ 21, 22 bringen könnte. Nachdem wir
den unseres Erachtens maßgebenden Ausdruck „Geschäftsbetrieb"
zu erklären versucht und unserer Auffassung dahin Ausdruck
gegeben haben, daß „wirtschaftlich" gegenüber „eigentlich" keine
Sinnesveränderung zu bedeuten hat, wären ja an sich die nach-
folgenden Betrachtungen überflüssig. Wird die Richtigkeit
unserer Ansicht über das Verhältnis von „wirtschaftlich" zu
„eigentlich" durch die Begriffserläuterungen der National-
ökonomie erschüttert? Kann überhaupt durch sie das bisher
gewonnene Resultat eine Aenderung erfahren? Schicken wir
die Frage voraus, ob sich „Geschäftsbetrieb" und „Wirtschafts-
betrieb" etwa begrifflich decken, so daß wenigstens — von
welchem Begriff man auch ausgehen mag — keine Inter-
pretationsverschiedenheiten entständen! Wir müssen sie ver-
neinen. Denn die Tätigkeit, welche der Betrieb eines Geschäfts
darstellt, wird durch den Begriff „Wirtschaft" nur zum Teil

diese Geldsumme von vornherein preisgegeben. Dieser aleatorische Charakter
raubt der Tätigkeit des Vereins auch das Planmäßige, die Berechen-
barkeit der wirtschaftlichen Erfolge, Eigenschaften welche — wenigstens M
zu einem gewissen Grade — einem wirtschaftlichen Geschäfts-
betriebe nicht fehlen dürfen.
89) Vergl. insbef Holder, Kommentar zum B.G.B. zu § 21,
Iur.-Ztg. Bd. ü S. 4i2f.; Löwenfeld in Staudingers Kommentar
zum B.G.B. zu § 21.

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