Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 47 = 2.F. 11 (1904))

Die Adoption deS unehelichen Kindes rc.

11

„Wer keine ehelichen Abkömmlinge hat, kann durch
Vertrag mit einem anderen diesen an Kindes Statt annehmen",
so ergibt sich jedenfalls das Eine, daß auf der einen Seite
weder die Eigenschaft eines „unehelichen Vaters" noch auf der
anderen Seite die Eigenschaft eines „unehelichen Kindes" an
und für sich ein Hindernis bildet, einen wirksamen Adoptions-
vertrag abzuschließen.
2) Denn unbestritten mangelt dem unehelichen Kinde
als solchem nicht die passive Adoptionsfähigkeit, da
das Gesetz an keiner Stelle die Befähigung, an Kindes Statt
angenommen zu werden, von besonderen Voraussetzungen ab-
hängig macht b), übrigens in den §§ 1747 und 17651 ausdrücklich
von der Annahme unehelicher Kinder an Kindes Statt redet.
3) Und ebensowenig wird andererseits nach dem klaren
Wortlaut des Gesetzes die aktive Adoptionsfähigkeit^)
des Annehmenden dadurch ausgeschlossen, daß er Vater eines
unehelichen Kindes ist. Nur wer „eheliche Abkömmlinge" hat,
soll unfähig 5) sein, einen anderen an Kindes Statt anzunehmen.
Im Verhältnis zu seinem Erzeuger ist aber das uneheliche Kind
nach dem Sprachgebrauch des B.G.B. nicht einmal dessen „Ab-
kömmling"^ — da es ja mit ihm nach § 158911 nicht
als verwandt gilt — geschweige denn dessen „ehelicher Ab-
kömmling".
4) Da also — so folgert man meist — weder die aktive
noch die passive Adoptionsfähigkeit durch das Bestehen einer
3) So Opet, Das Verwandtschaftsrecht des B.G.B. (1899), S. 57;
Fraenkel, Das Familienrecht des B.G.B. (1898), S. 190; Keidel,
Annahme an Kindes Statt, in S eufferts Blättern für Rechtsanwendung,
Bd. 64 (1899) S. 410; Planck, B.G.B., Bd. 4 (1901) S. 490 Ziffer 2.
4) Opet. S. 54; Spahn, Verwandtschaft und Vormundschaft
nach dem B.G.B. (1900), S. 32; Keidel, S. 410; Cosack, Lehrbuch
des Bürgerl. Rechts, Bd. 2 (3. Aufl. 1901) S. 596; Fraenkel, S- 189.
5) Arg. § 1741 „kann"; § 1756 „Wirksamkeit".
6) Siehe unten § 8 Nr. 3.

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