Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 48 = 2.F. 12 (1904))

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A. von Tuhr,

wobei A im selben Momente anfängt und aufhört, Eigentümer
zu sein. Worauf es wesentlich ankommt, mag man sich den
Vorgang so oder anders zurechtlegen, ist die Erkenntnis, daß
der Eigentumerwerb des X doppelt bedingt ist: durch die Voraus-
setzungen, unter denen bei normaler Vollmacht in rom mau-
äanti8 A das Eigentum erwerben würde, und durch die Er-
fordernisse der brevi manu traditio. Daraus folgt, daß, wenn
die ersteren Erfordernisse vorliegen, während die brevi manu
traditio nicht zu stande gekommen oder die Einigung des
§ 929 II nachträglich aufgehoben ist, die Tradition Eigentum
zwar nicht für den X, wohl aber für den Gläubiger A er-
zeugt; das wäre z. B. der Fall, wenn A zur Zeit der Er-
teilung der Vollmacht geschäftsfähig war und zur Zeit der Ver-
einbarung des § 929 II in Geisteskrankheit verfallen ist, oder
wenn er, nachdem diese Vereinbarung rückgängig gemacht ist,
es unterlassen hat, die dem Schuldner erklärte Vollmacht nach
§170 ihm gegenüber zu widerrufen.
Wenn Lenel, a. a. O. S. 61 diese Konstruktion ab-
lehnt und gegen sein eigenes Prinzip, nach welchem die Person
des Erwerbers durch die eausa tradendi bestimmt wird,
direkten Erwerb des X vom Schuldner I) behauptet65), so tut
er das im Anschlüsse an Ihering, welcher (in diesen Iahrb.,
Bd. 2 S. 147 fg.) die von ihm sogenannte „Durchgangs-
theorie" als theoretisch und praktisch gleich verwerflich bekämpft
hat. Ich halte die von Ihering vertretene Ansicht für durch-
aus richtig, auch auf dem Gebiete des B.G.B., aber in An-
wendung nicht auf das Verhältnis der Inkassovollmacht, sondern
65) Leonhard, a. a- O. S. 94 bekämpft den von Lenel statuierten
direkten Eigentumserwerb deL X mit guten Gründen, läßt sich aber durch
die vermeintliche Unmöglichkeit eines antezipierten constitutum poss. (darüber
unten S. 47) abhalten, eine antezipierte brevi manu trad. anzunehmen,
und greift zu einer Verlegenheitskonstruktion, die man am besten tut bei
ihm selbst nachzulesen.

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