Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 48 = 2.F. 12 (1904))

Die Anfechtbarkeit der Besitzübertragung rc. 123
die Interessen der auf die Tatsächlichkeit vertrauenden Rechts-
genossen scbutzbedürftig sind, genießt der Dritte nach B.G.B.
den starken Schutz des Eigentümers, resp. Pfandgläubigers, als
welcher er anerkannt wird39a). Diese günstigen Folgen werden
ihm jedoch abgesprochen, 1) im Falle des auf seiner Seite be-
stehenden Mangels an gutem Glauben. 2) in gewissen Fällen
besonderer Gestaltung der Uebertragung, 3) in gewissen Fällen,
wo die übertragene Sache besonders qualifiziert ist. Näher:
Der Begriff des guten Glaubens ist dem § 932 II zu ent-
nehmen. Auf guten oder bösen Glauben kommt es nicht an
in Beziehung zu dem Eigentumserwerb, aa) wenn bei der
Uebertragung durch sog. brevi manu traditio der Erwerber
den Besitz nicht von dem Veräußerer erlangt hatte (8 9321. 2).
db) wenn bei der Uebertragung durch sog. eoiwtitutuw
pv88688orium dem Erwerber die Sache von dem Veräußerer
nicht übergeben wird (§ 933), cc) wenn bei der Uebertragung
durch Abtretung des Anspruchs auf Herausgabe der Sache, im
Falle, daß der Veräußerer nicht mittelbarer Besitzer ist, der Er-
werber den Besitz der Sache von dem Dritten nicht erlangt
934). Entsprechendes gilt bei der Anwendung der 88 936.
926 II, 1207 und 1208. Der gute Glaube schützt ferner den
dritten Erwerber auch dann nicht, wenn die Sache (sofern es
sich nicht um Geld oder Inhaberpapiere, oder im Wege öffent-
licher Versteigerung veräußerte Sachen handelt) als eine ge-
stohlene, verloren gegangene oder sonst abhanden gekommene
qualifiziert ist (8 935 in Verbindung mit 88 1207, 926 II).
Wie wir also aus der vorangegangenen Ausführung ersehen,
kommen für die Beurteilung der betreffenden Fälle zwei Momente

39a) Zur Theorie der betreffenden RechtSsätze vergl. neuerdings den
schönen Aufsatz Regelsbergers, Der sog. RechtSerwerb vom Nicht-
berechtigten (in diesen Jahrb-, Bd. 47 S. 339 ff.), worin die Ansicht ver-
teidigt wird, daß nicht eine Uebertragungsmacht des Veräußerers, sondern
der gute Glaube des Erwerbers die Grundlage seines Erwerbs bildet.

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