Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 48 = 2.F. 12 (1904))

Die Anfechtbarkeit der Besitzübertragung rc. 121
gelöstes Verhältnis zu verstehen sein, welches unabhängig von
der Wirksamkeit oder Unwirksamkeit der causa traditionis den
mittelbaren Besitz begründet. In diesem letzten Sinne haben
wir bereits die Frage beantwortet betreffs der Fälle, in denen
ein Nichtberechtigter ein Recht zum Besitz bestellt. In dem-
selben Sinne möchten wir noch weiter verfahren wissen, wenn
wir vor einem einheitlichen Rechtsgeschäfte stehen, z. B. vor
einem Mietsvertrag, aus welchem die Einigung über die Be-
gründung des mittelbaren Besitzverhältnisses hervorgeht. Wäre
der Mietsvertrag ungültig, so würde wegen der notwendigen
Auseinanderhaltung von traditio und causa traditionis der
Vertrag nach Seite der Tradition und folglich für das Ent-
stehen des mittelbaren Besitzes gelten^).
Diese Ansicht wäre vielleicht zu bestreiten, in Rücksicht auf
die mit ihr gegebene zu große Leichtigkeit der Begründung des
mittelbaren Besitzes, welcher nicht bloß im Gebiete des poffeffo-
rischen Schutzes, sondern auch für die Begründung von ding-
lichen Rechten von Bedeutung ist; allein wir können diese
Frage dahingestellt sein lassen; jedenfalls haben wir durch die
vorigen Ausführungen ein für den Gang unserer Arbeit wichtiges
Resultat gewonnen, daß für den mittelbaren Besitz, d. h. für
dessen Begründung, Uebertragung, Beendigung ein objektiv zu

38) Könnte man den Satz aufstellen, daß in jedem Fall, wo Besitz
übertragen wird unter Umständen, welche die Zurückgabe der über-
gebenen Sache erwarten lassen, das mittelbare Besitzverhältnis begründet
ist? Es wäre zu denken an die Fälle, in welchen wegen Mangels der
causa traditionis eine Bereicherungsklage begründet ist. Die Bejahung
dieser Frage hat an sich etwas anziehendes. Zu gründen wäre die Be-
jahung, unseres Erachtens, auf die im Text angegebene Konstruktion. ES
wäre die Begründung deS mittelbaren Besitzverhältnisies als ein sozusagen
essential« negotii im UebertragungSakt als mitinbegriffen anzusehen. Die
Römer gestatteten bekanntlich auch eine actio ewti (auf Rückgabe deS
KaufpreiseS), wenn der Kauf ungültig war, und auch sonst die Kontrakts»
klage, wo überhaupt kein Vertrag zu stände gekommen war. — Ueber das
Rechtsverhältnis des 8 868 vergl. auch Kniep, a. a. O. S. 109—168.

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