Full text: Zeitschrift für Gesetzgebung und Rechtspflege in Preußen (Bd. 2 (1868))

260 Erüst Friede!: Zur Lehre von der Entmündung.
Meäioina korensis, biologischer Theil, Fall 'Nr. 180.) erwähnt und
welcher, obwohl mit' einer fixen Idee behaftet, dennoch seinen Geschäften
ganz wohl vorzustehen im Stande war.
d) Frage der Heilbarkeit.
Ein kaum weniger bedenklicher Gebrauch wird bisweilen von dem
Begriff der Heilbarkeit gemacht. Will man, wie es bei einzelnen Sach-
verständigen den Anschein hat, unheilbar und dispositionsunfähig gleich-
setzen, siö müßte man auch zahlreiche Individuen, viele beschränkte Köpfe,
viele sogenannte Dumme öder Tölpel, die Niemand in Jdiotenanstalten
steckt, unter Kuratel stellen, denn ihre geistigen Fähigkeiten sind denen
mancher der zu a. erwähnten Schwachsinnigen (Unheilbaren) buchstäb-
lich gleich.
Eine Praktische Bedeutung hat die Heilbarkeitsfrage nur bei den
sogenannten intermittirenden Geisteskrankheiten und bei solchen Seelen-
störungen, welche wie mania puerperalis, mania parturientium,
Melancholie u. s. w. erfahrungsmäßig Aussicht auf Heilung geben. Bei
diesen Fällen kann man aus Menschlichkeitsgründen eine Verschiebung
des Explorationstermins mit der Heilbarkeit motiviren.
c) Frage der ZurechnimgWhigkeit.
Verwirrend wirkt nicht selten die von manchen Aerzten gern auf-
geworfene Frage der Zurechnung.
Im gegenwärtigen Preußischen Recht gehört die Zurechnungsfrage
lediglich -ins Kriminalrecht (§. 40. des Strafgesetzbuches), sie bezweckt
einzrg und allein festzustellen: ist Jemand für eine bereits begangene
Handlung strafrechtlich verantwortlich zu machen? Die Zurechnungsfrage
betrifft also die Vergangenheit eines Menschen. Bei der Entmün-
digung eines Menschen handelt es sich dagegen nur um die. Zukunft
und'nur um die schon mehr erwähnte Fähigkeit, seine eigenen Ange-
legenheiten ohne bevormundende Aufsicht zu besorgen/
' Es ist ganz wohl möglich, was auch Casper schon scharfsinnig
hervorgehoben hat, daß Jemand noch fähig, die Folgen seiner Hand-
lungen zu überlegen, dennoch aber in Bezug aus- eine ein spezielles
Verbrechen darstellende- That als zurechnungsunfähig zu erachten ist;
umgekehrt ist es auch möglich, daß Jemand, der civilrechtlich als unfähig,
die.Folgen seiner Handlungen zu überlegen erklärt ist,'-dennoch Ver-
brechen mit voller Zurechnung begehen kann. So ist aus Casper's
Gutachten hin, die an folie raisonnante leidende berüchtigte Teufels-
seherin Glaser, während sie als im forensischen Sinne-blödsinnig
.unter/Kuratel stand , wegen verschiedener Betrügereien verurtheilt und
bestraft worden. - Zurechnungs- und Geschäftsfähigkeit decken sich-so-
nach keineswegs.
. V. Kasuistik. , - ,
1 Ans praktischen Rücksichten erlaube ich mir schließlich noch, auf
drei -wichtige Kategorien von Psychosen hinzuweisen,- die--häufig von
Medizinern wie Juristen verkannt werden und deshalb zu allerlei Zweifeln,

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