Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 37 = 2.F. 1 (1897))

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Carl Haß,

nigfaltigkeit von Umständen bewirkt werde, als ohne dasselbe
(begünstigender Umstand).
Es ist besonders zu beachten, daß diese Unterscheidung
zwischen adäquatem und inadäquatem Kausalzusammenhang
sich ganz und gar nicht auf die Art und Weise bezieht, wie
im konkreten Falle das Moment wirksam geworden ist, son-
dern durchaus eine abstrakte Bedeutung hat! Voraussetzung
der ganzen Betrachtungsweise ist daher auch, daß das ursäch-
liche Moment ein Verhalten bezeichnet, welches zu' einer großen
Mannigfaltigkeit von Umständen, zu einer ganzen Klasse von
Fällen als Modifikation hinzugedacht werden kann. Ebenso
ist der Erfolg, von dessen Begünstigung hier die Rede ist, stets
ein allgemein bezeichneter; denn wie sich von selbst versteht,
läßt sich nur über die Beziehung eines ursächlichen Momentes
zu einem abstrakt definirten, nicht aber zu einem individuellen
konkreten Erfolge etwas allgemein aussagen. Es beruht
daher, wie man kurz sagen kann, die Unterscheidung
der adäquaten und der zufälligen Verursachung
stets auf einer gen eralisirenden Betrachtung
des Einzelfalles.... Der Einzelfall stellt sich namentlich
im Gebiet der sozialen Erscheinungen oft ohne weiteres als
Exemplar einer gewissen Kategorie dar, weil die sozialen Er-
scheinungen eben thatsächlich eine massenhafte Wiederholung
von Gleichartigem zeigen. So kommt es, daß die konkrete
Kausalität eines ursächlichen Momentes sofort auch den Anlaß
zu ganz bestimmten Fragen über generelle ursächliche Zu-
sammenhänge giebt, und daß demgemäß die Unterscheidung
von zufälliger und adäquater Verursachung in großem Umfange
zulässig und bedeutungsvoll ist (S. 200—203). —
Wir kommen nun zu den Argumenten, die v. Kries
zur Begründung seiner Forderung anführt, es solle nur der-
jenige verbrecherische Erfolg strafrechtlich geahndet werden, der

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