Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 34 = N.F. 22 (1895))

Separation und Absonderung.

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„als wenn die Erbschaft nicht angetreten worden wäre", d. h.
eine völlige Aussonderung der Erbmasse stattfindet —
wie sollte es dann bei der eigentlichen Separation grundsätz-
lich anders sein? Es war einem Ulpian, mag man seinen
Schriftstellerruhm auch noch so sehr antasten, wohl zuzumuthen,
auf eine solch fundamentale Verschiedenheit deutlich hinzu-
weisen, statt, wie er thut, an die Besprechung dieses die
eines regelrechten Separationsfalles im nächsten Para-
graphen mit „item" anzuschließen! Freilich nur „yuasi se-
paratio yuaedarn" soll nach § 6 eintreten — aber die Ver-
schiedenheit liegt auf der Hand! Während sonst dem Erben
und seinen Gläubigern das Separationsrecht mit großer Ent-
schiedenheit abgesprochen wird (1. 1 § 5 D. h. t.), sind sie
hier gerade die Antragsteller: der Unterschied ist also im Kreise
der berechtigten Personen zu finden. Wäre die Sache eine
grundsätzlich verschiedene, wie Jäger will, dann dürfte man
doch schwerlich beide mit demselben Terminus „separatio"
belegen.
4) Zu Gunsten der Gläubiger des Erben wird eine se-
paratio zwar nicht bejaht, aber doch als eine mögliche, ihnen
jedenfalls zweckdienliche Maßnahme erörtert, sofern der Erbe
in krauäem ereäitoruw angetreten hat. Ja, in gewissen
Fällen wird hier eine Hilfe „extra ordinem" verheißen, was
freilich „non facite admissum est" (1. 1 § 5 dt.). Der Aus-
druck „separatio" findet sich auch hier verwendet. Das Ziel
der Maßnahme kann aber dabei nothwendig nur in einer
völligen Trennung beider Vermögensmassen bestehen — der
Erbschaftserwerb als solcher wird sozusagen a n g e f o ch t e n. Ein
bloßes vorzügliches Befriedigungsrecht den Erbschaftsgläubigern
zu verschaffen, daran hatten die creditores heredis nicht das
mindeste Interesse: eher im Gegentheil.
5) In I. 1 8 10 D. h. t. wird von den Gläubigern,

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