Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 34 = N.F. 22 (1895))

Separation und Absonderung.

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nerische Argument — die Konstruktion der Motive zur K.O.
— hebe ich mir für nachher auf.
1) Am wenigsten möchte das Schwergericht auf den
Wortlaut der Quellenstellen zu legen sein, obwohl er im-
merhin meine Auffassung zu unterstützen geeignet ist. So sagt
Ulpian in I. 1 § 1 D. h. t.:
„et sic quasi duorum fieri bonorum venditionem“
Man kann das entweder übersetzen: „es findet Konkurs
statt über gewissermaßen zwei Vermögensmassen", oder aber
„es findet Konkurs statt über das Vermögen von gewisser-
maßen zwei Personen". M. E. ist der zweiten Auslegung
entschieden der Vorzug zu geben — die Wendung „quasi dua
bona“, gleichsam zwei Vermögen, wäre eine auffällige und
wenig geschmackvolle, und daß der sonst so klare Stilist Ul-
pian den Sinn durch die ganz unnöthige Zwischenschiebung
des „fieri" zwischen zwei zusammengehörige Worte verdunkelt
haben solle, ist vollends nicht zu vermuthen. Endlich kann
auch das für die zweite Interpretation angeführt werden, daß
sich die 1. 5 h. t. einer ganz ähnlichen Wendung bedient:
„quasi defuncti bona vendiderunt", einer Wendung, die zur
gegnerischen Konstruktion überhaupt herzlich wenig paßt. An-
dererseits kann uns das „quasi" der beiden Fragmente nicht
Wunder nehmen: in Wahrheit ist es doch nicht der Verstor-
bene, sondern der Erbe, nur als Repräsentant desselben, über
dessen Vermögen der Konkurs eröffnet wird.
Wie man aber auch unsere Stelle auffaffen mag: jeden-
falls soll nach ihr ein Doppelkonkurs stattfinden, soll es zu
einem doppelten en bloc-Verkauf kommen. Wie aber dieser
hinsichtlich einzelner bloßer körperlicher Nachlaßsachen stattfinden
konnte, ist unerfindlich: die venditio bonorum bezieht sich
nicht auf zusammenhanglose Einzelobjekte, sondern notbwendig
auf eine Vermögenseinheit.

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