Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 34 = N.F. 22 (1895))

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Paul Oertman n,

ist ähnlich, wie zwischen Hauptvermögen und peculium. Oder
wenn man für jede Masse einen besonderen Herrn haben will:
sein eigenes Vermögen steht dem Erben zu qua sua persona,
die Erbmasse qua Repräsentanten des in ihm juristisch fort-
lebenden Erblassers — zwei Seelen wohnen in seiner Brust!
Für eine Annullirung der Verfügungen des Erben über die
hereditas ist dabei nicht einmal Raum, geschweige denn Be-
dürfniß verhanden. Daß, wenn die Erbschaft nicht mehr vor-
handen ist, auch keine Separation mehr stattfinden kann, ist
ebenso wahr, wie für unsere Frage unerheblich. Natürlich —
wo nichts ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren! Hat eine
völlige, unentwirrbare Vermischung beider Massen stattgefunden,
so kann gleichfalls keine Separation zugelassen werden (1. 1
§ 12 cit.), was um nichts weniger selbstverständlich sein dürfte.
Impossibilium nulla est separatio, könnte man unter ent-
sprechender Abänderung einer bekannten Rechtsparömie sagen.
Der römische Prätor war nicht formalistisch genug, nur um der
Konsequenz willen da ein Separationsdekret zu erteilen, wo
ihm doch keine praktische Wirkung beschieden sein konnte. Auch
das ist nicht ohne Parallele in unserem Konkursrecht.
Aber auch in dem Falle, lehrt Papinian in l. 2 v. h. t.,
daß die Erbschaft bereits verkauft ist, findet die Aussonderung nicht
mehr statt. Dies spricht prima vista unleugbar in gewissem
Sinne für die gegnerische Auffassung, und es nimmt Wunder,
daß Jäger dieser Stelle seine Aufmerksamkeit nicht gewidmet
hat. Weil hier keine corpora hereditaria mehr beim Erben
vorhanden sind, ist keine Gütertrennung mehr am Platze: Be-
weis genug, daß sie sich auch nur auf die einzelnen Stücke
bezogen haben kann! Eine solche Beweisführung begt nahe
— aber durchschlagend ist sie keineswegs! Müßte man unsere
Stelle so verstehen, dann bliebe ein auffälliger Widerspruch
zwischen ihr und den andern, unten zu erörternden vorhanden.

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