Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 34 = N.F. 22 (1895))

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O. Riesebieter,

B. Das petitorische Verfahren.
Im Vorstehenden ist schon mehrfach darauf hingewiesen,
daß das ganze Missionsverfahren mit seinen beiden gesonderten
Stadien doch lediglich provisorischen Charakters ist und nur
eine vorläufige Nachlaßregulirung bezweckt. Daraus folgt,
daß später noch ein endgültiges Verfahren, ein petitorischer
Proceß, Nachfolgen kann; darauf weist das Justinianische
Gesetz selbst hin, wenn es heißt: „.vel ipsi, qui
missus est, omnem intentionem excludere“. In ihm
nun steht es dem Gegner frei, alle diejenigen Einwände vor-
zubringen, welche nach den gesetzlichen Vorschriften der 1. ult.
Cod. im Missionsverfahren keine Berücksichtigung finden sollen,
vornehmlich also den Einwand, das Testament leide an inneren
Mängeln. Daß dieser Proceß sowohl gleich von vornherein
neben dem Besitzeinweisungsverfahren herlaufen oder aber
während oder nach Beendigung desselben anhängig gemacht
werden kann, ist schon früher erwähnt worden.
Wie sich nun im Einzelnen der Proceß hier gestaltet, be-
darf keiner näheren Ausführung. Nur werde hervorgehoben,
daß die Klage entweder vom eingesetzten Erben oder aber vom
contradictor angestrengt werden kann; ersterenfalls ist sie die
gewöhnliche hereditatis petitio, welche zur Voraussetzung
hat, daß der heres die Nachlaßsachen nicht in seinen Besitz
bekommen; anderenfalls ist sie entweder ebenfalls die here-
ditatis petitio oder aber die gewöhnliche rei vindicatio.
VI. Schluß und Betrachtung de lege ferenda.
Vorstehendes wird im wesentlichen die Einweisung des
testamentarischen Erben in den Besitz der Erbschaft seiner
rechtlichen Natur noch zur Darstellung gebracht haben. Etwa
nicht zur Erörterung gekommene Bestimmungen der 1. ult.
Cod., auf welcher ja dieses Einweisungsrecht ruht, sind un-
wesentlicher Natur, so u. a. wenn es heißt: es erhalte der

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