Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 45 = 2.F. 9 (1903))

Vorvertrag und die rechtliche Natur der sog. Realkontrakte. 5
Vorvertrag bezeichnten Vertrages künftig herzustellende Ver-
hältniß zwischen den Parteien ist in jenem bereits so vorgebildet
enthalten, wie das Küchlein im bebrüteten Ei. Jene Ver-
pflichtung zur Mitwirkung ist sehr weit verschieden von der
Verpflichtung, zum Abschluß eines überhaupt erst zu schließenden
obligatorischen Vertrages mitzuwirken. Wenn, wie wohl nicht
zu bezweifeln, derjenige, der eine Sache für den Preis, den sie
ihn gekostet hat, verkauft, verpflichtet ist, jenen Betrag dem
Käufer anzugeben, und den Anspruch auf Gewährung der
Sache nicht einfach mit der exeeptiv non aäimpleti con-
tractus zurückweisen kann; — wenn, wer eine Sache für so
viel gekauft hat, als er in seiner Kasse hat, zur Offenbarung
seines Kassenbestandes genöthigt werden kann, so wird man
doch diese zur Vorbereitung der Vertragserfüllung nothwendige
Mitwirkung nicht als Mitwirkung zum Abschluß eines „Haupt-
vertrages", diese Leistung nicht als ein „contradere" bezeichnen
wollen. Ebensowenig wird man die bei alternativen Obligationen
von dem einen unter Mitwirkung des anderen Theils (z. B.
durch Vorlegung der Gegenstände, unter denen zu wählen ist)
oder die Bestimmung des speziellen Leistungsgegenstandes bei
generischen Obligationen durch das unter Mitwirkung des
Gläubigers erfolgende Zuwägen, Zumessen, Zuzählen für
Abschluß eines „Hauptvertrages" im Derhältniß zu einem
die Verpflichtung zu der alternativ oder generisch bestimmten
Leistung begründenden Vertrag als einem „Vorvertrag" aus-
geben. Denn diese Verträge mit relativ bestimmtem Leiftungsinhalt
sind in sich ruhende, auf den Abschluß eines zweiten Vertrages
nicht hinweisende Verträge. Sicherlich sind aber diese Fälle
doch im Wesen von den von Degen kolb angeführten nicht
verschieden.
Nun kann allerdings daraus, daß die Kasuistik von
Degenkolb den gesuchten Vorvertrag nicht enthält, noch

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