Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 45 = 2.F. 9 (1903))

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Schloßmann,

Mandatar aber mit dem ersten Schritt, mit dem er in die
Erfüllung der Mühewaltung eintrat, rechtlich verpflichtet wurde,
erst bei der späteren Art der Verwendung diese a° (vergl. unten) in wört-
licher Auslegung des „gessit;“ auf wirklich ausgeführte Geschäftsbesorgung
gedeutet wurde, muß dahingestellt bleiben.
Während die neg. gest. nur dem Bedürfniß bei aufgetragener
genereller Geschäftsführung Rechnung trug, Ansprüche aus dieser aber
vielleicht nur aus Grund der thatsächlich in Angriff genommenen Geschäfts-
verwaltung (vielleicht aber auch schon auf Grund der bloßen Uebernahme
des Auftrags zu ihr) gewährte, führte später das Bedürfniß -zur Gewäh-
rung eines Schutzes auch im Falle eines einzelnen aufgetragenen
Geschäftes. Deshalb bezeichnet wohl auch Sabinus bei Paulus in
I. 38 pr. pro socio 17, 2 die »o neg. gest., neben dem iudicium pro
socio und tutelae, als generale iudicium, und stellt ihr das iudicium
mandati, neben a° commodati Und depositi, als iudicium speciale
gegenüber (vergl. meinen Vertrag, S. 31 Anm. l und Besitzerwerb durch
Dritte, S. 123 Anm. 1).
Die für jenen Zweck eingeführte actio — die a<> mandati — fußte
auf dem Aufträge, und man wendete sie, — sei es gemäß einer schon von
Anfang an ihr zu Grunde liegenden Tendenz, sei es erst später, unter Be-
nutzung der auf das mandarurn allein abgestellten Formelfassung (Quod
Aus Aus n° N° mandavit, ut etc. . . Lenel, Edikt, S. 255) — sicher
auch da an, wo die Ausführung des Auftrages unterblieben war, indem
man also das konsensuale Element des Auftrages allein schon als ein eine
Verpflichtung begründendes Moment behandelte.
Es lag nun nahe, die mandati — was durch die Formelkonzeption
ermöglicht war, — auch bei aufgetragener genereller Geschäftsführung
anzuwenden (also etwa: „Quod Aus aus No No negotia gerenda mandavit“)
und auch bei generellem Mandat das konsensuale Element in den Vorder-
grund zu stellen, mit anderen Worten die generelle praepbsitio als Konsen-
sualkontrakt zu behandeln.
Damit war aber die a» negotiorum gestorum für das generelle Mandat
überflüssig geworden, und sie kam für dieses, da die sicher schon mit der bloßen
Uebernahme des Auftrages begründete ao mandati hier dem Kläger mehr
als die a° neg. gest. gewährte, außer Gebrauch.
Diese letztere bot nun aber in einer späteren Zeit, die das Bedürfniß
eines Rechtsschutzes auch in den Fällen einer freiwillig, ohne Auftrag
übernommenen, sei es generellen, sei es auf eine einzelne Angelegenheit bezüg-
lichen Geschäftsbesorgung empfand, die gewünschte Handhabe, um dem Herrn
die Durchsetzung der nach Billigkeit ihm zuzuerkennenden Ansprüche gegen
den gestor zu ermöglichen, und hieraus erklärt sich die Verwendung einer

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