Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 45 = 2.F. 9 (1903))

Die Bestimmtheit der Hypothekenschuld. 219
zu; innere Gründe sprechen aber meines Erachtens für die
erste Ansicht.
Vermeidet man es, im Streit über die Währungsfrage
selbst Stellung zu nehmen, so mag man mit der Möglichkeit
rechnen, daß nach Einführung einer Doppelwährung der Markt-
werth beider Währungsmetalle mit dem für sie gesetzlich fest-
gestellten Werthverhältnisse dauernd in Uebereinftimmung bleiben
werde, so daß beide Metalle dauernd Werthmesser und allgemein
gebräuchliche Zahlungs- und Tauschmittel sein würden. Für
diesen Fall hat der Gläubiger an der Zahlung in Goldmünzen
kein besonderes Interesse, ist die Goldklausel nicht berechnet.
Die in früherer Zeit mit bimetalliftischen Systemen ge-
machten Erfahrungen gestatten und gebieten aber auch, für
den Fall der Einführung einer Doppelwährung mit der Mög-
lichkeit zu rechnen, daß die Marktwerthe der beiden Währungs-
metalle von ihrer gesetzlichen Werthrelation abweichen würden,
so daß ein Agio zu Gunsten der einen Münzsorte entstände.
Nur die aus dem verhältnißmäßig minderwerthigen Metalle
geschlagenen Münzen würden dann im Verkehr zu ihrem Nenn-
werthe, die anderen zu einem höheren Kurswerthe gerechnet;
das aus dem verhältnißmäßig höher bewertheten Metalle ge-
prägte Geld würde in kleinerem oder größerem Umfange ins
Ausland abfließen *).
Bei einer solchen Differenz zwischen Marktwerth und gesetz-
licher Relation werden wirthschaftlich zum alleinigen Währungs-
gelde die verhältnißmäßig minderwerthigen Münzen, in denen
der Verkehr allein noch rechnet, und die dann je nach dem
Grade, in welchem das mit einem Agio verkehrende Geld ins

1) Bergl. Knies, Das Geld (2. Aust.), S. 278—338; LexiS,
Art. Doppelwährung im Handwörterbuch der Staatswissenschaften (2. Aust.),
Bd. 3 S. 237 ff., 249.

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