Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 45 = 2.F. 9 (1903))

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Max Pappenheim,

C aber darauf den von A nicht gehobenen Schatz heimlich in
Besitz nimmt. Der Eigenthumserwerb des Entdeckers berubt
auf der schon charakterisirten Bedeutung der Entdeckung; der-
jenige des Grundeigenthümers *) auf dem tatsächlichen Ver-
hältniß, in dem der Schatz zu der ihn bergenden Sache ge-
standen hat, vergleichbar einem Bestandtheile derselben und
deshalb nach seiner Entdeckung ihrem Eigenthümer zufallend ^).
In dem Rechte des Schatzerwerbs ist der Gegensatz von Kapital
und produktiver Thätigkeit ausgeglichen. Der Umstand, ob der
Schatz schon früher einen Herrn besaß oder nicht, hat auch auf
die Regelung der Eigenthümerfrage keinen Einfluß geübt oder
üben können. Nach alledem scheint es geboten, die Vorschrift
des § 984 auf solche Alterthumsfunde entsprechend anzuwenden,
die immer herrenlos gewesen sind. Auch sie werden erst durch
die Entdeckung der menschlichen Herrschaft zugänglich gemacht,
und auch sie haben bis dahin in einer Sache so lange ver-
borgen gelegen, daß sie zu ihr in eine der des Beftandtheils
ähnliche Beziehung gelangt sind 8).
Hinsichtlich der Art, wie sich der Eigenthumserwerb am
Schatze vollzieht, erscheinen die Vorschriften des § 984 als
durchaus angemessen auch für Alterthumsfunde. Namentlich
gilt dies von dem Erforderniß der zu der Entdeckung hinzu-
tretenden, auf Grund derselben erfolgenden Inbesitznahme. Und
zwar sowohl in der Richtung, daß es ihrer zum Eigenthums-
erwerbe bedarf*), als auch in der anderen, daß sie nicht eben
1) Wir sprechen hier und im Folgenden der Kürze halber nur von ihm,
da Alterthumsfunde in beweglichen Sachen nicht leicht verborgen sein werden.
L) Vergl. Czyhlarz, a. a. O. S. 225s., für den Eigenthums-
crwerb des Entdeckers auch Urtheil des Reichsgerichts vom 7. Juni 1895,
in Seuffert'S Archiv, Bd. 51 Nr 9.
3) Der erste Entwurf des B.G B. (§ 928) gründete den Eigenthums-
erwerb des Finders am Schatze auf Occupation. Zum Wesen des Schatzes
zählte aber auch er, daß der Eigenthümer nicht „mehr" zu ermitteln ist.
Die Motive (Bd. 3 S. 391 Z I4f. v. o.) nehmen hierauf keine Rücksicht.
4) Meisner, Das B.G.B., Bd. 3 S. 132 Anm. 2 läßt den Eigen-

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