Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 42 = 2.F. 6 (1901))

Die Anfechtung der Ehe wegen JrrthumS über die Person.

3

war. Wir finden aber, daß er trotz der Aenderung derselbe
geblieben ist. wenn die Aenderung eintrat unbeschadet, ja viel-
leicht gerade vermöge seines Wesens. Von der Bedeutung,
die wir für dieses einer bestimmten Eigenschaft zuschreiben,
hängt es ab, ob ihr Wegfall ein Untergang des Gegenstandes
oder eine bloße mit der Fortdauer seiner Existenz verbundene
Veränderung seiner Beschaffenheit ist. Wie einerseits ein Gegen-
stand, der eine Aenderung erlitten hat, nicht mehr schlechthin derselbe
ist, der er bisher war, so giebt es anderentheils nichts, was seder
bisherigen Existenz gegenüber etwas schlechthin anderes wäre-,
denn ex nihilo nihil fit et in nihilum nihil potest reverti.
Ob wir aber die Identität eines bestimmten Gegenstandes mit
einem bestimmten anderen bejahen oder verneinen, bemißt sich
durch die engeren oder weiteren Begriffe, unter die wir die
Gegenstände subsumiren. Ist z. B. der Embryo und der Leich-
nam identisch mit dem lebenden Menschen? Für den Juristen
ergiebt sich die Verneinung beider Fragen dadurch, daß für ihn
die wesentliche Eigenschaft des Menschen die Persönlichkeit ist,
die weder dem Embryo noch dem Leichnam zukommt. Auch
der Embryo hat aber schon ein gewisses Leben, das vom Leben
des Geborenen ebensowenig schlechthin verschieden ist wie das
Leben des Erwachsenen vom Leben des Neugeborenen. Und
der Leichnam lebt zwar nicht mehr; er ist aber doch derselbe
Körper, der bisher existirt hat, und er ist ein Gegenstand unseres
Respektes und unserer Fürsorge in seiner Eigenschaft als Ueber-
bleibsel des Daseins des Verstorbenen. Während der mensch-
liche Leichnam nicht mehr eine Person und daher auch nicht
mehr dieselbe Person ist wie der lebende Mensch, so ist der
thierffche Leichnam noch dieselbe Sache wie das lebende Thier.
Fragen wir, ob durch Verarbeitung eines Stoffes eine neue
Sache entstanden ist, so ist sicher, daß der verarbeitete Stoff
nicht mehr schlechthin derselbe ist, der er vorher war. Ob

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer