Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 42 = 2.F. 6 (1901))

Die Haftung für Nachlaßverbindlichkeiten.

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als unbegründet, so verringern oder verschlingen die Kosten
den Ueberschuß. der nach Abzug der Schulden dem Erben zu-
fallen würde; es bedarf keiner Ausführung, wie stark diese
Erwägung von vornherein die Entschließungen beider Parteien
beeinflussen wird, des Gläubigers: ob er den ihm vom Erben
freiwillig angebotenen Satz annehmen, des Erben: ob er die
Nachlaßschuld voll bezahlen oder sich überhaupt auf die be-
schränkte Haftung berufen soll. Gegen die Nachtheile, die dem
Gläubiger infolge der Hinausschiebung seiner Befriedigung
drohen, wird er geschützt durch die Befugniß, ohne Rücksicht
auf die Höhe des Nachlasses einen vollstreckbaren Titel zu
erlangen und damit sowohl gegen den Nachlaß als gegen das
eigene Vermögen des Erben Maßregeln der Zwangsvollstreckung
durchzusetzen, die den von ihnen ergriffenen Gegenstand für
seine dereinstige Befriedigung feftzulegen geeignet sind; der
Erbe, der bloß die Befriedigung hinauszögern will, muß dies
also damit erkaufen, daß er sich die Pfandverstrickung auch
seines eigenen Vermögens gefallen lassen muß. Auch hierbei
drängt übrigens die innere Schwerkraft des eigenen Vortheils
den Gläubiger von vornherein darauf hin, seine Zwangs-
vollstreckung möglichst gegen den Nachlaß zu richten; denn eine
solche Pfändung bleibt bis zur Konkurseröffnung in Kraft,
während die Pfändung des eigenen Vermögens des Erben
bereits durch die Anordnung der Nachlaßverwaltung hinfällig
wird ; jene verhilft also dem Gläubiger in allen Fällen zur
vollen Befriedigung, wo die Konkurseröffnung unterbleibt, d. h.,
der so gesicherte Gläubiger ist in der Lage, jedem, dem an der
Verhütung des Konkurses etwas gelegen ist, seine Bedingungen
vorschreiben zu können.
Schlagen alle anderen Versuche einer gütlichen Einigung
fehl, so bleibt dem Erben kein anderes Mittel übrig, dem auf
voller Befriedigung bestehenden Gläubiger und der Fortsetzung

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