Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 42 = 2.F. 6 (1901))

Bedeutung der Ausgleichspflicht bei Erbscbaftsfrüchten- 465
(vgl. aber unten Nr. 6). Andererseits haben aber auch die
Gegner ihre Meinung meines Ermessens nicht begründet.
a) Was zunächst die systematische Stellung der Ausgleichs-
pflicht im Gesetz und den Wortlaut des Gesetzes selbst anlangt,
so ist die Ausbeute hier lediglich negativ. Vor allem ist es
höchst bedenklich, mit Planck (I. e. Nr. 3) daraus, daß der
Ausgleich bei dem „Berhältniß der Erben unter einander" be-
handelt ist, folgern zu wollen, daß er deshalb nach außen keine
Bedeutung gewinnen kann, denn die Beziehungen der Erben
unter einander kommen auch sonst für die Nachlaßgläubiger in
Betracht (z. B. die THeilung gemäß § 2059, 2060), und
überhaupt ist die ganze Zerreißung des Gemeinschaftsver-
hältnisses in eine sog. innere und äußere Seite lediglich
ein mechanisches Hülssmittel, bei dem immer zu beachten ist,
daß durch die Beziehungen der vereinigten Personen zueinander
grundsätzlich, wenn auch mit Modifikationen, die Gestaltung
des Gemeinschaftsgebildes nach außen bedingt ist. Im Uebrigen
handelt es sich für uns um eine Frage des inneren Verhält-
nisses, und es käme in Betracht, ob aus dem Ausdruck „ver-
pflichtet" in den §§ 2059ff. wirklich mit Planck die rein
obligatorische Bedeutung der Ausgleichspflicht folgt. Auch dies
greift aber offenbar nicht durch: wo eine Verpflichtung
besteht, braucht diese doch natürlich nicht gerade eine rein
obligationenrechtliche zu sein, sondern kann (was hier eigent-
lich garmcht bemerkt zu werden braucht) auch aus einem
dinglichen oder einem personenrechtlichen Verhältniß folgen.
Dies entspricht auch bekanntlich dem Sprachgebrauch des
Bürgerlichen Gesetzbuchs (vergl. z. B. §§ 1361, 1360; 1351,
748, 2038, 2). Ebensowenig können sich schließlich die Gegner
auf die Worte „bei der Auseinandersetzung" in § 2051 stützen,
etwa in dem Sinne, daß die Kollation n u r bei der Auseinander-
setzung weder jemals vorher noch nachher, mithin auch nicht

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