Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 39 = 2.F. 3 (1898))

Die Schuldübernahme und die §§ 414—416 B.G.B. 485
Erfahrung gegen Erfahrung. Nach meiner Erfahrung
ist den am Grundstückverkehr betheiligten Personen das Be.
wußtsein von einer neben der hypothekarischen Haftung be-
stehenden persönlichen nicht so sehr abhanden gekommen, daß
sie bei der Veräußerung eines hypothekarischen Grundstücks an
die persönliche Haftung nicht denken. Nicht minder ist meiner
Erfahrung entgegen, daß die Parteien nur von einer Hypo-
thekübernahme sprechen, wenn sie die Schuldüberwälzung
beabsichtigen. In den vielen Verträgen, bei denen ich während
meiner praktischen Thätigkeit mitzuwirken hatte, hieß es immer:
„der Käufer übernimmt auf Abrechnung am Kaufpreis die auf
dem Grundstück eingetragene Darlehnsschuld an N N" oder
„die Hypothekschuld an N N." Niemals wurde in zweideu-
tiger Weise nur von der Uebernahme der Hypothek gesprochen,
von ihr überhaupt nicht, da sie als nothwendige Folge des
Grundstückserwerbs galt.
Nach Blume vollzieht sich mit dem Uebergang des
Eigenthums am hypothekarisch belasteten Grundstück der Ueber-
gang der persönlichen Schuld vom Verkäufer auf den Käufer.
Die Mittheilung der Uebernahme an den Gläubiger enthält
ihm zufolge nicht die Aufforderung, zu genehmigen, sondern
den Hinweis, daß er zur Meidung der Befreiung des Schuld-
ners binnen 6 Monaten Einspruch gegen den Schuldübergang
zu erheben habe (S. 425).
Dem gegenüber frage ich: Giebt es einen Richter, der
den Eigenthümer eines Grundstücks, auf dem eine Forderung
im Grundbuch eingetragen ist, auf die Klage aus der per-
sönlichen Forderung hin verurtheilt und die Zwangsvoll-
streckung in dessen ganzes Vermögen ermöglicht, wenn die
Klage lediglich darauf gestützt ist, daß der Beklagte das mit
der Hypothek belastete Grundstück erworben hat?
2) § 416 B.G.B. lautet:
„Uebernimmt der Erwerber eines Grundstücks durch Vertrag

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