Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

Erläuterung von § 104 des Allgem. Affecuranz - Plans. 81
'entgangen und derer, welche aufgeopfert find, gleichmäßig
vertheilt. Dies bildet den Begriff der Havariegrosse, im
Gegensätze zu der Particulair-Havarie, unter welcher
letzteren man die Verluste und Schäden versteht, welche zur
eigenen Tragung der resp. Interessenten bleiben.
Es leuchtet aus dem Bisherigen von selbst ein, daß die
Unterscheidung zwischen Havariegrosse und Particulair-Havarie
überhaupt nur da anwendbar ist, wo mehrere Interessenten
zu einer Art von Gemeinschaft verbunden sind. Fährt mithin
ein Schiff in Ballast, d. h. hat es keine Ladung, sondern
(außer dem Schiffs-Inventarium und dem Proviant) nur
solche meistens werthlose Artikel am .Bord, welche ihres
Gewichtes halber, um dem Schiffe Segelfähigkeit zu geben,
eingeladen werden, (Sand, Steine u. dergl.), so kann von
Havariegrosse überhaupt nicht geredet werden.
Freilich können auch bei in Ballast fahrenden Schiffen
absichtliche Aufopferungen Vorkommen; z. B. ein Schiff wird
auf der See schwer beschädigt, so daß es ohne baldige Repa-
ratur untergehen würde; oder es fällt auf die Seite und
kann nicht wieder aufgerichtet werden, wenn nicht die Masten
mit dem daran befindlichen Tauwerk und den Segeln gekappt
werden; oder eine Leichterung des Schiffes ist nothwendig,
um dasselbe von einer Klippe, auf welcher es festgerathen
ist, abzubringen u. dergl. m.; in diesen Fällen werden
resp. die mit dem Aufenthalt in einem angelaufenen Nothhafen
verbundenen Kosten, der Werth der gekappten Masten, Takelage
und Segel, sowie der geworfenen Theile des Schiffs-Inventars
(Anker, Kanonen, Ketten, Fässer mit Proviant u. dergl.)
wissentlich zu dem Zwecke aufgewendet oder Preis gegeben,
um (im Uebrigen) das Schiff zu erhalten. — Gleichwohl ist
alles Dies, was bei einem mit Ladung gehenden Schiffe
Havariegrosse sein würde, hier nur Particulair-Havarie, und
zwar aus dem einfachen Grunde, weil Niemand eriftirt, dem
durch die Aufopferung mit genutzt worden wäre, und der
mithin dem Rheder einen Theil des Aufgewandten zu ersetzen
hätte.

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