Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

Beweislast in Betreff des Inhalts der Briefe rc.

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vollkommen unverletzt gewesen waren, und wo der Beklagte
dem Kläger ein culposes Verfahren gar nicht vorwerfen,
sondern lediglich aus dem Faktum der Quittirung die Rechts-
folge des Uebergangs der Gefahr deduciren zu können ver-
meinte, scheint hiezu keine Veranlassung Vorgelegen zu haben.
Unserer Ansicht nach hätte zunächst untersucht werden müssen
ob die Uebersendung auf Gefahr der Absender geschah und
wenn dies bejaht wurde, hätte ihnen der Beweis, daß der
fragliche Brief bei der Ueberlieferung an den Kläger 176 «F
wirklich enthielt, auferlegt, zugleich aber ausgesprochen werden
müssen, daß der Beweis in Ermangelung klägerischen Gegen-
beweises, daß nur 126 Thaler überliefert worden seien, schon
dann als geführt anzusehen wäre, wenn nur die Richtigkeit
der Declaration bei der hiesigen Ablieferung an das Postamt
dargethan wäre. Augenscheinlich ist dies der Gedankengang
des Handelsgerichts gewesen, welches jedoch, indem es unter-
ließ, dem Kläger den obigen Gegenbeweis nachzulassen, und
indem es in seiner späteren Eidesformulirung von dem Kläger
die Beeidigung seiner Ueberzeugung, daß der Brief schon
hier bei der Ueberlieferung auf die Post nicht mehr als
126 Thaler enthielt, dem Kläger, der an und für sich vielleicht
nicht die Gefahr des Transports zu vertreten gehabt hätte,
ohne ersichtlichen Grund mit derselben bebürdete. Damit
wollen wir allerdings nicht gesagt haben, daß dem Kläger,
für den die Sache günstig genug ausfiel, irgend ein Unrecht
geschehen sei. Wir halten vielmehr die handelsgerichtliche
Entscheidung in ihrem dispositiven Theil für gerechtfertigt,
weil unserer Ansicht nach der Kläger für die Gefahren des
Posttransports aufzukommen hatte.

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