Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

Bcweislast in Betreff deS Inhalts der Briefe.

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Das Handelsgericht erkannte auf Grund dieser Verhand-
lung am 28. Januar 1856:
"Da der Umstand, daß der Kläger den in Rede stehenden
Geldbrief von der Post entgegennahm und darüber pure
quittkrte — also bescheinigte, daß ihm derselbe mit un-
verletzten Siegeln behändigt wurde — nicht die Beklagten
von dem Beweise der Richtigkeit ihrer Jnhaltsdeclaration
befreien, vielmehr nur den Effect haben kann, daß die
Erbringung dieses Beweises selbst dann genügen würde,
wenn auch erachtet werden müßte, daß in dem hier vor-
liegenden Fall die Versendung der beklagtischen Zahlungs-
mittel per Post nicht auf Gefahr des Klägers, sondern auf
Gefahr der Beklagten geschehen sei,
daß Beklagte den Beweis,
daß der in Rede stehende Brief bei Ueberlieferung an
den Kläger oder doch bei der hiesigen Ueberlieferung
an das Postamt Pr. Crt.-H> 176.— oder wie viel
mehr doch als Pr. Crt.«F> 126.— enthielt
zu führen, schuldig seien."
Nach auf Grund dieses Erkenntnisses geschehener Beweis-
aufnahme erkannte das Handelsgericht am 14. August 1856:
"Da die Aussage des Zeugen B., so wie der auch
mit der Annahme eines auf Seiten der Beklagten vorge-
fallenen Jrrthums vereinbare Umstand, daß in den beklag-
tischen Büchern der richtige Betrag von 176 gebucht
worden, für den im Erkenntniß vom 28. Jan. d. I. den
Beklagten auferlegten Beweis ohne Bedeutung ist, die
alleinige Aussage des Zeugen L. aber — (des beklagtischen
Eommis, der selbst die 176 Thaler in das Couvert gesteckt
haben wollte) — welcher sich nicht einmal genau der Größe
der einzelnen Thalerscheine erinnert, aus welchen die frag-
liche Geldsendung bestanden hat, nicht genügt, um die
Beklagten — zumal bei dem aus der in Stralsund befun-
denen Gewichtsdifferenz sich ergebenden nicht stanz unerheb-
lichen Gegenbeweismoment — zum Erfüllungseid zuzulassen.

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