Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

Bewcislast in Betreff des Inhalts der Briefe rc.

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an einen vor wenigen Jahren verhandelten Rechtsfall an-
knüpfen. Der
R e ch t s f a l l
war der folgende:
Die hamburgischen Kaufleute M. & I. Müller schuldeten
ihrem Stralsunder Geschäftsfreunde Israel für von demselben
erhaltene Maaren Pr.*$ 176. Bei einer früheren Sendung
hatte der Stralsunder sich den Betrag “ui größeren Preußischen
Cassenanweisungen per Post" erbeten und richtig erhalten,
diesmal aber nur den Betrag “per Cassa" gefordert. Das
hiesige Haus gab am 25. Juni einen Brief nach Stralsund
mit 176 *$ Preuß. Cassenanweisungen (3 Funfzigthaler-
Scheinen, 1 do. 25 «$ und 1/l Silberthaler) gegen übliche
Quittung auf die Preußische Post. Als Israel den Brief,
der ihm mit unverletzten Siegeln rechtzeitig eingeliefert wurde,
öffnete, fand er statt dreier nur zwei Funfzigthaler-Scheine,
nebst dem Fünfundzwanzigthaler-Schein und dem Silberthaler,
im Ganzen also nur 126 *$ vor. Seine Reclamationen bei
der Post hatten eine gründliche Untersuchung bei derselben
zur Folge. Der Brief wurde mit dem von Israel Vorgefun-
denen Inhalt, 2 Fünfzig-, einem Fünfundzwanzigthaler-Schein
und dem in ein Läppchen Papier eingewickelten Silberthaler
nachgewogen und ein Gewicht von 2^ Loth ermittelt, welches
genau mit dem in Hamburg bei der Abgabe des Briefes in
die Postbücher eingetragenen Gewicht stimmte; während sich
andrerseits dasselbe durch Beilegung eines dritten Funfzigthaler-
Scheins auf genau 2T^ Loth erhöhte. Hierdurch glaubte man
einigermaßen wahrscheinlich gemacht zu haben, daß der Brief
schon bei der Abgabe in Hamburg nicht mehr als 126 *$
enthalten habe. Die Post wies die Reclamation auf Grund
eines Gesetzes vom 5. Juni 1852 ab und I. wurde darauf
gegen M. bei dem Hamburgischen Handelsgerichte auf Zahlung
von pro resto 50*$ für die gekaufte und empfangene Maare
klagbar.
Beklagte opponirten die Einrede der Zahlung. Sie beriefen
sich auf ihre Bücher, namentlich ihr Caffabuch, ferner auf

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