Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

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2. Streitiger Fall

dem Zeitpunkte der, bei ordentlicher Erledigung des Geschäfts
vorzunehmen gewesenen Lieferung die Preise gefallen sein
sollten.
Abgesehen von diesem letzteren Momente würde der
Verkäufer, welcher unter den hier gemachten Voraussetzungen
dem Käufer eine andre tadellose und in vorschriftsmäßiger
Weise verladene Partei der fraglichen Waare an die Stelle
der entweder zu verladen unterlassenen oder doch auf dem
Transport ungehöriger Weise aufgehaltenen, offerirte, im
Ablehnungsfälle dem Käufer allerdings die repliea doli entge-
gensetzen können. Diese fände aber bei gesunken er Conjunctur
aus dem angegebenen Grunde keine Statt; im Gegcntheil
der Käufer dürfte dem Verkäufer vorwerfen, daß Letzterer
ein bereits erloschenes Rcchtsvcrhältniß revivisciren machen
wolle, um sich auf seine, des Verkäufers, Kosten zu bereichern.*)
7. Mit dem vorstehend besprochenen Punkte hängt die
Frage zusammen, ob bei Contracten der vorliegenden Art die
Verkäufer verpflichtet sind, den Käufern, wenn selbige Dies
verlangen, innerhalb einer den Umständen angemessenen Frist
Auskunft über die näheren Umstände der Abladung zu er-
theilen? — In dem oben erwähnten Prozesse wurde diese
Verbindlichkeit Seitens der Verkäufer mit Entschiedenheit
bestritten; allein schwerlich mit Grund. — Wenn nämlich,
wie oben ausgeführt worden ist, die rechtliche Stellung der
Käufer durch diejenigen Ereignisse afficirt wird, welche sich
in Beziehung auf die verladene Waare zutragen, so besteht
selbstverständlich für die Käufer das Recht, Auskunft über
die betreffenden Umstände zu verlangen. Dasjenige, wovon
der Bestand und Umfang ihrer Rechte abhängt, darf ihnen
von ihren Mit-Contrahenten nicht vorenthalten werden.

*) Einige hieher gehörige Bemerkungen finden sich in der Abhandlung
"Zur Lehre vom Kaufhandcl nach der französischen Praxis"
In diesem Archiv Bd. I. S. 265 ff.

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