Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

Die Löschungs-Clauseln.

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die Clausel No. 10 aufgefaßt werden: sie ließe sich dahin
deuten, daß die in Leichter überladene Waare noch immer
als unter der Obhut des Schiffers besindlich, und wesentlich
fo, als befinde sie sich noch im Schiffe, angesehen werden
solle, wo dann das volle Ueberliegegeld in der sonst vor-
kommenden Weise zu zahlen sein wurde. Gleichwohl mögte
diese Behandlung des vorliegenden Gegenstandes eine große
und völlig unmotivirte Unbilligkeit gegen den Befrachter und
resp. Destinatair in sich schließen, und unseres Wiffens ist es
denn auch in der Praris niemals versucht worden, solcher
Auffassung der Sache Geltung zu verschaffen.
<1. In Hamburg besteht die gesetzliche Vorschrift, daß
der Schiffer, welcher mit äußerlich beschädigten Waaren da-
selbst ankommt, bei der Löschung diese Waaren nicht aus
der Lage nehmen, vielmehr dem Empfänger Anzeige von der
Vorgefundenen Beschädigung machen soll, um demselben die
Möglichkeit zu geben, durch die amtlich autorisirten Sachver-
ständigen (die Schiffer-Alten) die Stauung untersuchen zu
lassen, und überhaupt sein Interesse wahrzunehmen.*) Die
Verabsäumung dieser Vorschrift zieht für den Schiffer die
Verhaftung für die Vorgefundene Beschädigung nach sich. **) —
Ein Gleiches ist an manchen anderen Seeplätzen rechtliche
Gewohnheit.
Von dieser Verpflichtung wird der Schiffer, dem nicht
zum sofortigen Empfange bereiten Destinatair gegenüber, durch
die hier besprochene Clausel befreiet. Dies ergiebt sich aus der
Absicht, welche der Aufnahme der Clausel in das Connossement
zu Grunde liegt. Die Waaren sollen ohne Aufenthalt, der
Reihe nach, so wie sie im Raum verstauet sind, auf Deck geschafft
und dann übergenommen, und jede Verzögerung in der Löschung,

*) Art.9 der Verordnung für Schiffer und Schiffsvolk
vom 27. März 1786.
**) Ueber den Umfang dieser Verhaftung ist viel gestritten worden.
Vergl. z. B. O.-A.-G.-Erk. in S. Capt. Altmeppen e.
Saling & Co., Hamb. Sammlung2, S. 720 ff.

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