Full text: Neues Archiv für Handelsrecht (Bd. 2 (1860))

118 5. Dilig. v. Mandataren b. d. Prüf. d. Echtheit v. Dokumenten.
4. Die Beklagten hatten sich darauf berufen, die Kläger
hätten durch Annahme der Chartepartieen — von welchen eine
(s. oben S. 99) nur die Unterschrift wfor Capt. Wessels”
getragen habe — selbst bekundet, daß es im Verhältnisse zu
A. auf Regelmäßigkeit der eingesandten Documente, insbeson-
dere auf die Unterschriften der Capitaine, nicht ankomme. —
Mit Recht ist diesem Argumente Bedeutung abgesprochen
worden. Chartepartieen sind nämlich, wie in Beziehung auf
ihre materielle Bedeutung, so auch in Betreff ihrer Beurtheilung
als Urkunden, wesentlich von Connoffementen verschieden.
Während diese letzteren vorzugsweise Verpflichtungs-
Documente sind, haben jene nur die Eigenschaft von gewöhn-
lichen Beweis-Urkunden über geschlossene Contracte.
So wenig es nun verkannt werden kann, daß auch bei
Dokumenten der letzteren Art das Erfordcrniß der Signatur
ein der Regel nach sehr wichtiges ist, so hat doch eine Char-
tepartie in den Händen des Destinatairs, welcher außerdem
mit einem Connossemente ausgerüstet ist, eine nur geringe
Bedeutung. Es kommt auf sie nur insofern an, als nicht
schon aus dem Connossemente selbst die betreffenden Bestim-
mungen des Contracts zu ersehen sein sollten (wegen der
Größe der Fracht, der Liegezeit u. dgl.). Um hierüber
unterrichtet zu werden, bedarf es zunächst nur einer Benach-
richtigung über die Frachtbedingungen, und selbst eine
Abschrift der Chartepartie ist vorläufig genügend. Kommt
es später zu Differenzen mit dem Schiffer, so ist cs noch
immer thunlich, für Herbeischaffung des Originals oder für
sonstige Beweismittel zu sorgen, wie denn der Schiffer
selbst für den von ihm geltend gemachten Contracts-Inhalt
seinerseits ein Chartepartie-Eremplar vorlegen muß.
Hiezu kommt, daß die meisten Chartepartieen von
Agenten der Schiffer oder der Rheder zu einer Zeit geschlossen
zu werden pflegen, während die Schiffe noch unterwegs sind,
so daß die Unterzeichnung derselben Seitens der Capitaine
in der Regel gar nicht erlangt werden kann und mithin in
vielen Fällen fehlt.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer