Full text: Volume (Bd. 3 (1862))

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3. Die auswärtigen Nachbildungen

irgendwo, war es hier am Platze, der Wissenschaft und dem
Gerichtsgebrauch ihr Recht nicht zu verkümmern und auf
diese Weise "dem Rechte die immer fortschreitende
Forschung zu sichern, ohne seine Autorität zu
gefährden."■
Finden wir demnach in maaßgebenden Kreisen vie
Erfahrung bestätigt, daß in der Allgemeinen Deutschen
Wechsel-Ordnung ein glücklicher Beginn mit einer allgemeinen
Handelsgesetzgebung gemacht ist, welcher selbstständig Wurzeln
zu schlagen und sich im Verkehrs- und Rechtsleben zu con-
solidiren begonnen hat, so wird es nicht überraschen/ daß das
Deutsche Wechselrecht auch über sein ursprüngliches Geltungs-
gebiet hinaus friedliche Eroberungen zu machen im Begriff
ist. Wir haben dabei nicht den Umstand im Auge, daß die
Deutsche Wechsel-Ordnung auch in den außerdeutschen Kron-
ländern des österreichischen Kaiserstaates eingeführt ist, sondern
daß sie bei neueren Gesetzgebungen stammverwandter Völker
zu Grunde gelegt und so in > ihren Grundzügen über die
Grenzen des Vaterlandes und der.damit politisch verbundenen
Länder hinausgeführt wird. Es ist dies ein fernerer Beweis
dafür, daß das System des deutschen Gesetzes, welches nach
Ansicht der Franzosen, die großen Principien ihres Handels-
gesetzbuches verschmäht, *) in gelungener Weise den Verkehrs-
verhältnissen entnommen und dessen Bedürfnissen angepaßt
ist; wie denn ein sonst strenger Kritiker, **) welcher sich
namentlich über die äußere Fassung nicht sehr schmeichelhaft
ausspricht, nicht umhin kann, anzuerkennen, daß der materielle
Inhalt der Deutschen Wechsel-Ordnung eine getreue Auf-
zeichnung der das heutige Wechselrecht beherrschenden Grund-

*) Qüi repudie to,us les grands principes de notre code de
commerce, trne Brauer aus der Ankündigung einer neuen Aus-
gabe von Nouguier's Werke "des lettres de change et des
effets de commerce, anführt. — Archiv für Wechselrecht,
Bd. III, S. 170.
**) Burckhard-Fürstenberger Entwurf einer schweizer Wechsel-
Ordnung, mit Motiven. Zürich 1857.

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