Full text: Volume (Bd. 3 (1862))

Wechsel-Indossament nach Verfall.

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erkennen. Freilich sagt Brauer in seinen Erläuterungen zur
Wechselordnung S. 63: "Man erachtete die Festsetzung einer
bestimmten Frist für unnöthig, weil man der Ansicht war,
daß den Inhaber sein eignes Interesse antreiben werde, den
Wechsel sobald wie möglich einzukassiren." In noch präciserer
Weise drückt sich über dasselbe Factum ein unsere Frage be-
treffendes Erkenntnis; des Berliner Ober-Tribunals
(Archiv für Wechselrecht Bd. VI S.,85—87) aus in
den Worten: "Man einigte sich jedoch, hierüber Nichts zu be-
stimmen, weil den Inhaber sein eigenes Interesse antreiben
werde, den Wechsel sobald wie möglich einzukassiren." Was
den zuerst angeführten Schriftsteller anlangt, der bekanntlich
Mitglied der Wechselrechts-Conferenz war, so räumen wir gern
die Möglichkeit ein, daß er von feinem Gedächtniß besser, als
wir von den Protokollen bedient worden. Aus welcher-Duelle
dagegen der zuletzt gedachte Gerichtshof seine noch eingehendere
Kenntniß geschöpft, oder ob lediglich die Reminiscenz aus
Brauer in der Feder des Urtheils-Verfassers eine eoncretere
Gestalt gewonnen hat, ist nicht ersichtlich. Gewiß ist aber,
daß die gedruckten Protocolle weder von dem Grund selbst,
noch vollends von einer "Einigung" über denselben die geringste
Spur enthalten; sie geben nichts weiter, als die nackte Ver-
neinung der einen Frage ohne die leiseste Andeutung eines
Motivs. Wir müssen aber auch bekennen, daß, wenn wirklich
dieser Grund obgewaltet hat, derselbe uns nicht als zulänglich
erscheint, und daß er unseres Erachtens die Verfasser der
Wechselordnung nicht hätte verhindern dürfen, die Lage, in
welche der Indossant nach Verfall durch den Artikel 1.6 versetzt
wird, schärfer zu bestimmen. — Es kommt Alles darauf an,
ob man es überhaupt für richtig hält, daß die einmal zuge-
lassene Haftung des Indossanten nach Verfall weit über die
Zeitgrenze der Wirksamkeit des gewöhnlichen Indossaments
hinaus in Kraft bleibe, oder ob man annimmt, es müsse eine
bestimmte, kurze Grenze für solche Haftung statt der verstrichenen
Verfallzeit festgestellt werden. Ist man der ersteren Meinung,
so ist das Argument unnöthig. Hegt man aber die letztere

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