Full text: Volume (Bd. 3 (1862))

Wechsel--Indossament nach Verfall.

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Wechselordnung keinen Anlaß zu solcher Strenge; vielmehr
geht aus der Bestimmung des Art. 39, welcher die Ver-
pflichtung zu zahlen an die Aushändigung des quittirten
Wechsels knüpft, hervor, daß die bloße Duittirung eine Prä-
sumtion für die Zahlung nicht begründet. Wenn detttnach
die Wechselklage an und für sich dem Erwerber eines Wechsels
mit gestrichener Quittung nicht mit Recht streitig gemacht
werden kann, so kommt doch hier wiederum in Betracht, daß
für den Käufer eines fälligen Wechsels von selbst schon
Grund zur Vorsicht und Prüfung vorhanden ist, daß demnach
die evidenteste Rücksicht der Billigkeit dafür spricht, ihn und
nicht den Acceptanten die Gefahr tragen zu lassen, daß wirk-
lich ein Betrug vorgegangen sein, daß der Inhaber nach
empfangener Zahlung im Besitz des Wechsels geblieben sein
und ihn unredlicher Weise veräußert haben könnte. Dieser
Fall ist einer von denen, die auf den inneren Grund, der
für die Beschränkung der Wirksamkeit des Indossaments nach
Verfall spricht, aufs Schärfste hindeuten.
Um nun zu einem Resultat für die Gesetzgebung zu ge-
langen, muß die Erwägung der praktischen Sachlage zu Hülfe
gerufen, muß der Versuch gemacht werden, die Natur des
Bedürfnisses nach'freiem Verkehr mit fälligen Wechseln genauer
zu präcisiren. Machen wir uns die Bedeutung der innerhalb
der rechten Grenzen gewiß vollkommen richtigen Behauptung
der Hamburgischen Abgeordneten zur Wechselrechts-Conferenz
klar, "daß verfallene, aber noch nicht Mangels Zahlung protestirte
Wechsel häufig negoeiirt würden und das Bedürfniß des Ver-
kehrs erfordre, daß bei ihnen das Indossament auch ferner
mit voller Wirkung zugelassen werde. ” Es kann nicht be-
zweifelt werden, daß die diesen Worten zu Grunde liegende
praktische Ansicht die ist, daß Der,, der einen Wechsel auf
einen fremden Platz unvorsichtiger Weise, bis Verfall hat
liegen lassen, darum nicht der Möglichkeit beraubt sein soll;
ihn zu verkaufen, nicht in die Nothwendigkeit versetzt sein soll,
ihn zum Jncasso zu überschicken. Gewiß aber haben die
Herren nicht an den Fall gedacht, daß der Wechsel sich bei

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