Full text: Volume (Bd. 3 (1862))

beim Kaufhandel.

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allgemeinen Anerkennung dieser Befugniß geführt hat, wenn
auch über die dabei zu befolgenden Prinzipien noch manche
Schwankungen und Unklarheiten obwalten. Es sind das die
Lieserungsgeschäfte über sogenannte marktgängige Maaren,
d. h. solche Maaren, die einen Börsencours oder Marktpreis
haben. Der Begriff der Lieferung .besteht bei ihnen darin,
daß eine Quantität dieser fungiblen Gegenstände zu einer im
Moment des Vertragabschlusses noch in der Zukunft, sei es
auch in nächster Zukunft, liegenden Zeit, zu einen: im voraus
bestimmten Preise dem Käufer zu Theil werden soll. Eine
der wichtigsten Arten dieser Lieferungsgeschäfte sind die im
Staatspapier- und Actienhandel vorkommenden. Es soll ver-
sucht werden, zunächst bezüglich dieser letzteren die Befugniß
zum sogenannten Rücktritt vom Vertrage, wie sie sich im
heutigen Rechte herausgebildet hat, den Hauptzügen nach
darzustellen. Dabei wird auch die Stellung der Litteratur
und der gerichtlichen Praxis zu derselben nicht unberücksichtigt
zu lassen sein. Was dabei zur Sprache kömmt, wird teil-
weise auch über den Bereich des Staatspapierhandels hinaus
seine Anwendung finden und uns in den Stand setzen, uns
demnächst bei Besprechung der übrigen,- analog zu behandelnden
Vertragsverhältnisse kürzer zu fassen.
1. Es pflegt bei Käufern auf feste Lieferung, und von
diesem ist hier zunächst die Rede, die Lieferung der Papiere
auf eine bestimmte Frist oder auf einen bestimmten Tag, ja
mitunter auf eine Stunde festgesetzt zu sein. Beide Contra-
henten speculiren auf den Marktpreis, welchen die Wert-
papiere zu dieser bestimmten Zeit haben werden. Der Ge-
winn, welcher dadurch für den einen oder anderen Theil sich
ergiebt und der in der Differenz von Marktpreis und Kauf-
preis besteht, ist gemeiniglich das Ziel dieses Handels. In
vielen Fällen wird nur diese Differenz ausgezahlt, werden die
Papiere gar nicht geliefert. Es ist auch von vornherein oft
gar nicht die Absicht gewesen, die Papiere in natura zu
liefern, obgleich der Contract es besagt. Doch kömmt hierauf
und auf die sich daran kilüpfende Frage, ob ein Differenz-

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