Full text: Volume (Bd. 3 (1862))

Durchstreichungen auf Wechseln.

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“ Wer einen Wechsel acceptirt hat, darf das einmal auf
> hen Wechsel gesetzte Accept auch nicht vor der Zurückgabe
widerrufen, vernichten, durch streichen oder unlesbar machen.
Er bleibt dessen ungeachtet zur Bezahlung verpflichtet."
In dem Bisherigen ist der Stand der Rechtsansichten an-
gegeben worden, welcher zu der Zeit vorhanden war und aus
Praxis und Gesetzgebung Einfluß 'ausübte, als das neue
deutsche Wechselrecht in Preußen vorbereitet, hieraus in ge-
meinsamer Berathung der Wechsel-Conferenz festgestellt und
zur schließlichen Sanktion an die Gesetzgebungen der deutschen
Einzelstaaten gefördert wurde.
In den § 21 der W.-O. nahm, man den Satz auf:
"Die einmal erfolgte Annahme kann nicht wieder zurück-
genommen werden."
Hiedurch ist wohl ohne allen Zweifel die oben besprochene
singulaire Behandlung des fraglichen Punktes im dermaligen
Wechselrecht zur Geltung gebracht worden. Zwar hat es
nicht an einzelnen Versuchen gefehlt, auch hier Bedenken zu
erheben, *) und nach
Borchardt, Allgem, D. W.-O., Ed. 2. 1860.
S. 78, No. 156,
ist sogar vom Ober-Tribunal zu Berlin kürzlich (am
15. Septbr. 1859) ausgesprochen worden,
"die Annahme des Wechsels sei nicht mit dem Augenblicke
des hingeschriebenen Accepts, sondern erst mit dem Augen-
blicke der Uebergabe desselben an den Dritten als erfolgt
anzusehen."
allein jene Bedenken können nicht für begründet geachtet
werden. Ihnen steht, selbst wenn man von demjenigen
absehen wollte, was sich aus dem Stand der Rechtsansichten
in der Zeit vor der neuen Gesetzgebung ergiebt, zweierlei ent-

*) Und wo mackte man selbst bei Dingen, welche beinahe sonnenklar
sind, unter Juristen solche Erfahrungen nicht! Die naturalis
hominum ad dissentiendum facilitas hat seit Ulpian (L. 17
§ 6, Dig. -de receptis), wenigstens bei ihnen, nicht abgenommen.
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