Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

614 Schirmer: Ueber den Satz „animo retinetur possessio."
nicht den Besitz daran, sondern „animo retinemus possessionem."
Desgleichen, wenn sie sterben.
L. 3, § 8, D. h. t. „Quod si seruus uel colonus, per quos
corpore possidebam, decesserint, discesserintue, animo re-
tinebo possessionem" (Pauli. Lib. 54, ad Ed.).
Und auch hier ist wieder Proculus der älteste Jurist, bei dem
wir in unseren Quellen der gleichen Entscheidung begegnen.
L. 31, D. de dol. mal. 4, 3. „Cum quis persuaserit familiae
meae, ut de possessione decedat, possessio quidem non
amittitur" — (Procul, lib. II epistol.).
Wogegen der Sabinianer Africanus den Besitz für verloren
erklärt, sobald der Pächter das Grundstück verlassen hat. L. 40, § 1,
D. h. t. Nur für den Fall, daß letzterer gestorben, nimmt auch er
einstweilen noch die Fortdauer des alten Besitzes an. Hier hatte, we-
nigstens unter gewissen besonderen Voraussetzungen, bereits Labeo in
gleichem Sinne entschieden. L. 60, § 1, D. loc. cond. 19, 2. Julian
' äußert sich direct über unsere Frage überhaupt nicht. Die L. 7, pr.
D. pro emt. 41, 4, die von Einzelnen, z. B. Löbenstern in der
Gieß. Zeitschr. Bd. 9, p. 389, Anm. 1, zum Beweise dafür angeführt
wird, daß Julian die Meinung des Paullus und Proculus ge-
theilt habe, behandelt ja ein von dem vorliegenden völlig verschiedenes
Verhältniß, die Fortsetzung der Usucapion trotz der durch den Tod des
Besitzers erfolgten Besitzunterbrechung. Es liegt dabei außerordentlich
nahe, den Gedankengang Julian's dahin zu ergänzen „da hier ein-
mal ohne Besitz ersessen wird, so kann auch ein solches Ereigniß nicht
störend, dazwischen treten, welches an sich den Besitz unterbrochen ha-
ben würde, wenn es bei Lebzeiten des Verstorbenen vorgekommen
wäre." Läßt sich mithin aus dem Julianischen Digestenfragmente
irgend etwas schließen, so ist es viel eher die Parteinahme seines
Auctors gegen als für Proculus. Dasselbe ergiebt sich argumento
a contrario für die Stellung des Sabinianers Pomponius zu un-
serer Controverse ans
L. 31, D. h. t. „Si colonus non deserendae possessionis causa
exisset de fundo et eo redisset, eundem locatorem possidere
placet" (Pompon, lib. 32 ad Sabin.).
Es bedarf hiernach wohl kaum noch eines ausdrücklichen Hin-
weises darauf, daß die eigentliche Heimath unserer Regel in ihrer ge-

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