Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

17.2. Ueber den Satz: "Animo retinetur possessio"

XV.

Ueber den Satz: ..Vinmo rvtmetur pv88v88i«.^
Von Herrn Profeffor Dr. Schirmer in Königsberg.

Die Urheberschaft dieses Satzes fällt, so viel ich sehe, dem Pro-
culus zu; er hatte ihn bezüglich der saltus aestiui und hiberni auf-
gestellt , und in dieser beschränkteren Fassung war die Regel zu einer
Art Rechtsparömie geworden. Indessen sollte dieser Wortlaut die An-
wendung derselben natürlich nicht auf den einen genannten Fall ein-
engen, sondern allgemein unter gleichartigen Verhältnissen Gebrauch von
ihr gemacht werden. Dies wenigstens war die Auffassung der späteren
klassischen Juristen. Das Alles bezeugt uns Ulpian in
L. 1 § 25 D. de ui 43. 16. Quod uolgo dicitur, aestiuorum
hibernorumque saltuum nos possessiones animo retinere, id
exempli causa didici Proculum dicere; nam ex omnibus
praediis, ex quibus non hac mente recedemus, ut omisisse
possessionem uellemus, idem est (cf. L. 27 D. de poss. 41. 2),
sofern wir die Florentinische Lesart zu Grunde legen. Allerdings con-
jicirt Mommsen, gestützt auf ein Basilikenscholion, zu dieser Stelle
(Lib. 60, Tit. 17, cap. 7, ed. Heimbach Tom. V, p. 577, No. 38):
„id exempli causa dici, didici Proculum dicere," und damit wäre
dann erwiesen, daß unser Satz älter sein müsse als Proculus. Doch
bleibt der Mommsenschen Ergänzung gegenüber, so viel auch im
klebrigen für sie spricht, immer noch ein Bedenken zurück, der völlig
ungewöhnliche Gebrauch des „ didici. “ Es würde sich hier doch um
eine schriftliche Meinungsäußerung des Proculus handeln, — sonst
würde dixisse oder dicere solitum gesetzt sein, cf. Gell. N. A. VI.
15 § 1, XVII. 7 § 3, — also um ein Citat desselben nach einer

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