Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

13. Literatur

13.1. Zum Deutschen Obligationenrecht : (Schluß)

Literatur

9.
Zum deutschen Obligationenrecht.
Von Behrend.
(Schluß.)

V.
Ich glaube, im Vorstehenden dargethan zu haben, daß Ungers
Theorie des Vertrages zu Gunsten Dritter sich nicht auf das römische
Recht zurückführen läßt. Letzteres geht in allen hierher gehörigen Stellen
von der Auffassung aus, daß das Recht auf die Leistung zunächst in der
Person eines Contrahenten entsteht, der mithin nicht blos als Promissar,
sondern auch als der unmittelbar Berechtigte erscheint.
Die utilis actio, mit welcher der Anspruch des Dritten geltend ge-
macht wird, ist ein formeller Ausdruck dafür, daß dieser Anspruch als
ein von dem Promissar abgeleiteter betrachtet wird.
Es fragt sich, ob wir an dieser Auffassung auch für das heutige
Recht festzuhalten haben. Dabei handelt es sich für uns nicht um den
Gegensatz zwischen actio utilis und directa, sondern darum, ob wir die
Annahme eines Ueberganges des Anspruches von dem Prornissat auf
den Dritten auch noch gegenwärtig als maßgebend für die juristische
Construction der Verträge zu G. Dr. betrachten müssen.
Die Frage ist m. E. für alle diejenigen Fälle zu bejahen, in denen
derartige Verträge materiell eine Zuwendung eines Contrahenten (des
Promissars) an den Dritten zum Zwecke haben. Die römische Construction
entspricht hier genau der wirklichen Sachlage und dem Willen der Contra-
henten, bezw. ihrem Verhältniß zum Dritten. Am deutlichsten tritt dies
in dem Fall der L. 3 C. de don. quae sub modo (8 55)*) hervor (oben
S. 315). Wenn A dem B Etwas schenkt mit. der Auflage, die geschenkte
Sache später an den C herauszugeben, so sind sowohl B wie C Dona-
tare des A., es ist daher durchaus folgerichtig, auch den Anspruch des
C auf den Willen des A zurückzuführen, d. h. in der Person des A
entstehen und von da auf den C übertragen werden zu lassen.
Derselben Gattung gehören von den oben (S. 314—318) erörterten

*) S. 315 sgg. ist, wo diese Stelle citirt wird, für L. 8 zu verbessern L. 3.

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