Full text: Volume (Bd. 8 (1875))

518 Voh: Zur Theorie der Gründschuld. .
gegenüber dem Eigentümer des verhafteten Grundstückes zur Entstehung
kommt.
So tritt uns die merkwürdige Erscheinung entgegen, daß das ding-
liche Recht, scheinbar ohne Bezug auf obligatorische Rechtsverhältnisse,
materiell dennoch von einem solchen beeinflußt wird. In diesem Sinne
ist auch das Grundschuldrecht ein Accessorium einer Forderung. Aeußer-
lich erscheint das Verhältniß beinahe umgekehrt: die obligatorische Seite
des Grundschuldrechts wird von der dinglichen Seite derselben so voll-
ständig verdeckt, daß die erstere kaum vorhanden zu sein scheint und
erst dem genauer forschenden Blicke sich offenbart. Materiell liegt hin-
gegen die Sache anders. Das Grundschuldrecht kann ohne die obligato-
rische Seite nicht bestehen. Es geht als jus in re aliena unter, sobald
ihm durch Konfusion, die hier immer mit Konsolidation zusammenfällt,
jene Seite genommen wird; es behält nur ein Scheindasein, wenn die
obligatorische Seite durch Tilgung entfernt wird. Nur deswegen, weil
der Schein nicht vermuthet werden soll, kann dieser Erfolg der Grundschuld-
lage nicht anders als in Form einer Einrede nach 8 38 E. E. G.
gegenübertreten, und kann es sich ereignen, daß die durch Tilgung der
Grundschuld inhaltlos gewordene Buch- resp. Briefform, sei es mit
dem Willen des Grundschuldners, sei es durch Versehen oder Arglist
eines Dritten mit einem neuen Inhalte sich erfüllt. Dies sind Zugeständ-
nisse. welche dem öffentlichen Glauben des Grundbuchs resp. des Grund-
schuldbriefes gemacht werden; aus dem Wesen der Grundschuld sind sie
nicht abzuleiten.
Es würde demnach verfehlt erscheinen, die obligatorische Seite der
Grundschuld als ein Accessorium des dinglichen Rechts aufzusassen.
Diese Bestimmung des Verhältnisses beider ist zwar durch die Grund-
buchform, nicht aber durch den Rechtsinhalt geboten, welcher in der
Grundbuchform zur Erscheinung kommt.

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